Ende des 19. Jahrhunderts erweiterte die Eastman Kodak Company ihr Sortiment kontinuierlich. Neben einfachen Box-Modellen für gelegentliche Schnappschüsse erschien 1897 eine Kamera, die sich vor allem an ambitionierte Amateure und reisende Fotografen richtete. Es handelte sich um die Kodak Cartridge Camera No. 4, in Katalogen jener Zeit meist als No. 4 Cartridge Kodak geführt. Das Modell kombinierte die Klappbauweise eines Laufbodens mit den Negativabmessungen des damaligen Großformats.
Der Namenszusatz verweist auf eine zentrale Eigenschaft der Konstruktion. Die Kamera nutzte den damals neu eingeführten Rollfilm des Typs 104. Durch das lichtdichte Schutzpapier auf der Rückseite des Films ließ sich die Kamera bei normalem Tageslicht be- und entladen. Für Fotografen bedeutete dies den Abschied vom Wechselsack oder der Dunkelkammer beim Filmwechsel im Freien.
Mit einem Negativformat von 4 mal 5 Zoll, was etwa 10 mal 12,5 Zentimetern entspricht, lieferte das System Bilder, die sich direkt als Kontaktabzug auf Papier belichten ließen. Wer dem Rollfilm noch nicht ganz traute oder für bestimmte Motive lieber Glasplatten verwendete, konnte das Rückteil gegen einen Adapter austauschen.
Konstruktiv folgte die Kamera dem Prinzip der klassischen Laufbodenkamera. Das Gehäuse bestand aus Holz und war außen mit schwarzem Leder bezogen. Nach dem Entriegeln und Herunterklappen der Frontplatte trat der rote Lederbalgen zutage, eingerahmt vom Mahagoniholz des Innenraums. Bei den frühen Ausführungen bis zum Herbst 1900 fertigte Kodak die Standarte des Objektivs ebenfalls aus Holz und nutzte Beschläge aus Messing. Spätere Versionen erhielten metallene Objektivträger und vernickelte Funktionsteile.
Die No. 4 bot mechanische Verstellmöglichkeiten, wie man sie sonst eher von Studiokameras kannte. Das Objektivbrett ließ sich in der Höhe und zur Seite verschieben. Dieser sogenannte Shift half dabei, stürzende Linien bei der Aufnahme hoher Gebäude auszugleichen.
Scharfgestellt wurde manuell über eine Skala auf dem Laufboden. Für die Wahl des Bildausschnitts standen zwei kleine Brillantsucher bereit, jeweils einer für Quer- und Hochformataufnahmen. Bestückt war die Kamera zumeist mit einem Rapid-Rectilinear-Objektiv von Bausch und Lomb, das mit pneumatischen Verschlüssen wie dem Eastman Triple Action kombiniert wurde.
Bis zur Einstellung der Modellreihe im Jahr 1907 verließen mehr als 90.000 Exemplare die Fertigung in Rochester. Kodak bewarb das Gerät seinerzeit sogar mit speziellen Halterungen für Fahrräder, um Ausflügler anzusprechen.
Die Kodak Cartridge Camera No. 4 dokumentiert die Phase, in der Rollfilme die Glasplatten schrittweise ablösten. Heute ist die Konstruktion aus Holz, Leder und Metall vor allem als Anschauungsobjekt für die Fototechnik der Jahrhundertwende in Sammlungen vertreten.





