Lange Zeit war ich der festen Überzeugung, dass analoge Notizbücher auf Reisen ein Relikt der Vergangenheit seien und keinen praktischen Nutzen mehr erfüllten. Warum sollte man sich mit zusätzlichem Gewicht belasten, wenn das Smartphone in der Hosentasche scheinbar jede erdenkliche Funktion übernehmen kann? Karten, Notizen, Ticketbuchungen und sogar die Kamera selbst sind in einem einzigen, flachen Gerät vereint.
Es erschien mir fast schon als eine unnötige Romantisierung, Papier und Stift mitzuschleppen, wenn die digitale Effizienz so greifbar war. Doch diese Sichtweise änderte sich grundlegend, als ich mich entschloss, für eine längere Reise bewusst einen anderen Weg einzuschlagen. Ich wollte versuchen, die Planung und die Dokumentation meiner fotografischen Arbeit physisch greifbar zu machen.
Meine Wahl fiel dabei auf das Traveler’s Notebook in der Passport-Größe und in der Farbvariante Caramel. Was als Experiment begann, entwickelte sich zu einer unverzichtbaren Routine, die meine Art zu reisen und zu fotografieren nachhaltig beeinflusst hat.
Der erste Kontakt mit dem Lederumschlag in der Farbe Caramel war haptisch eine gänzlich andere Erfahrung als das kühle Glas und Metall eines Smartphones. Das Leder wirkte robust und dennoch geschmeidig, und die hellbraune Farbe versprach, mit der Zeit und durch die Nutzung eine eigene Patina zu entwickeln.
Es ging nicht mehr nur darum, Informationen zu speichern, sondern einen Prozess zu erleben. Die Entscheidung für dieses spezielle Notizbuch war auch eine Entscheidung für ein langsameres, bewussteres Vorgehen.
Wenn man als Fotograf unterwegs ist, neigt man dazu, die Welt nur noch durch den Sucher oder auf dem Display zu betrachten. Das Notizbuch zwang mich dazu, den Blick abzuwenden, mich hinzusetzen und Gedanken zu formulieren, anstatt sie nur flüchtig zu tippen. Es wurde schnell klar, dass das Aufschreiben einer Information ihr eine andere Wertigkeit verlieh.
Die Planung der Reiseroute, die Liste der Ausrüstung und die Skizzen der Umgebung wurden durch die Tinte auf dem Papier manifestiert und erhielten eine Bedeutung, die eine digitale Notiz-App niemals vermitteln könnte.
Hintergrund zur Traveler’s Company
Das Traveler’s Notebook wird von der Traveler’s Company hergestellt, einer Marke, die aus dem japanischen Schreibwarenhersteller Designphil hervorgegangen ist. Ursprünglich unter dem Namen Midori bekannt, hat sich die Marke mittlerweile eigenständig etabliert, doch die Philosophie ist gleich geblieben.
Im Kern geht es darum, den Alltag selbst als eine Reise zu betrachten. Das Konzept ist simpel und doch tiefgreifend. Ein einfaches Stück Leder, grob zugeschnitten und mit einem Gummiband versehen, hält ein oder mehrere Hefte aus hochwertigem Papier zusammen. Diese Einfachheit ist kein Mangel, sondern das zentrale Designelement. Es erlaubt dem Nutzer, das Buch zu seinem eigenen Werkzeug zu machen, ohne durch vorgegebene Strukturen eingeschränkt zu sein.
Die Lederhülle selbst stammt aus Chiang Mai in Thailand. Es wird pflanzlich gegerbt und zeichnet sich durch eine sehr naturbelassene Oberfläche aus. Im Gegensatz zu stark beschichteten Lederwaren, die immer makellos aussehen sollen, ist das Leder des Traveler’s Notebooks so konzipiert, dass es Spuren annimmt.
Jeder Kratzer, jeder Fleck und jede Druckstelle erzählt eine Geschichte. Besonders bei der Variante in Caramel ist dieser Effekt deutlich zu beobachten. Im Neuzustand erinnert die Farbe an helles Karamell oder Honig, doch unter dem Einfluss von Sonnenlicht, Hautfetten und der mechanischen Beanspruchung während einer Reise dunkelt es nach und entwickelt einen tiefen, bernsteinfarbenen Glanz.
Für einen Fotografen, der auch an seinen analogen Kameras die Spuren der Nutzung zu schätzen weiß, ist diese Eigenschaft des Leders ästhetisch sehr ansprechend. Es ist ein Gegenstand, der nicht verbraucht wird, sondern durch den Gebrauch an Charakter gewinnt.
Das Papier, welches in den Heften verwendet wird, ist das sogenannte MD Paper (Midori Diary Paper). Es ist bekannt dafür, dass Tinte nicht ausfranst oder auf die Rückseite durchblutet, was es besonders für Nutzer von Füllfederhaltern interessant macht. Doch auch für Bleistiftskizzen oder Kugelschreiber bietet es einen angenehmen Widerstand, der das Schreiben zu einem bewussten Akt macht.
Das modulare System
Das Traveler’s Notebook ist in zwei Hauptgrößen erhältlich: der Regular Size und der Passport Size. Während die reguläre Größe ein schmaleres A5-Format aufweist, das sich gut für ausführliche Journale und das Einkleben von größeren Dokumenten eignet, orientiert sich die Passport-Größe exakt an den Abmessungen eines internationalen Reisepasses.
Für mich erwies sich die Passport-Größe als die pragmatischere Wahl. Sie passt problemlos in die Gesäßtasche, in die Seitentasche einer Jacke oder in ein kleines Fach im Fotorucksack. Die Kompaktheit sorgt dafür, dass das Notizbuch immer griffbereit ist, was die Hemmschwelle senkt, es auch tatsächlich zu benutzen.
Der Mechanismus, der das System zusammenhält, ist ein einfaches Gummiband. Es verläuft durch den Rücken des Lederumschlags. Ein Heft wird aufgeschlagen und durch dieses Band geschoben. Möchte man mehrere Hefte nutzen, kommen weitere Verbindungsgummis zum Einsatz, mit denen man ein zweites oder drittes Heft mit dem ersten verbindet.
So lässt sich das schlanke Ledercover in ein dickes Kompendium verwandeln, das verschiedene Funktionen gleichzeitig erfüllt. Ein Kalender für die Terminplanung, ein blanko Heft für Skizzen und ein liniertes Heft für Notizen können parallel existieren.
Verschlossen wird das Ganze durch ein weiteres Gummiband, das horizontal über das Buch gespannt wird und auf der Rückseite verknotet ist. Ein kleiner Zinnverschluss sorgt dabei für Stabilität.
Refills
Ein wesentlicher Aspekt, der das Traveler’s Notebook von gebundenen Notizbüchern unterscheidet, ist die Vielfalt der sogenannten Refills, also der Einlegehefte. Die Standardauswahl deckt bereits die meisten Bedürfnisse ab. Es gibt Hefte mit liniertem, kariertem oder blanko Papier.
Für Fotografen, die gerne unterwegs Skizzen von Lichtsetups oder Kompositionen anfertigen, ist das Blanko-Papier oft die erste Wahl, da es keinerlei visuelle Einschränkungen bietet. Doch das System geht weit über diese Standards hinaus und bietet spezialisierte Papiere an, die für bestimmte kreative Prozesse optimiert sind.
Interessant wird es bei den speziellen Editionen, die gelegentlich von der Traveler’s Company herausgegeben werden. Diese Editionen entstehen mit verschiedenen Partnern und kommen meist mit speziellem Coverdesign.
Auch gibt es beispielsweise ein Refill mit sehr dünnem Papier, das die doppelte Anzahl an Seiten bei gleicher Dicke ermöglicht. Dies ist ideal für lange Reisen, bei denen man viel schreiben möchte, ohne das Buch zu voluminös werden zu lassen.
Ein weiteres spannendes Refill ist das Kraftpapier, dessen raue, braune Textur eine ganz andere Ästhetik bietet. Auch Versionen mit farbigem Papier oder ein Refill mit beschichtetem Papier für die temporäre Lagerung von Stickern.
Planung, Vorfreude und Dokumentation
Der eigentliche Wert des Traveler’s Notebooks zeigte sich mir jedoch erst in der praktischen Anwendung während der Vorbereitung und Durchführung einer Reise. Ein großer Teil der Freude am Reisen besteht in der Antizipation. Das Planen der Route, das Recherchieren von Orten und das Zusammenstellen der Ausrüstung baut eine Spannung auf, die oft genauso erfüllend ist wie die Reise selbst.
In meinem Fall begann dieser Prozess lange vor dem Abflug, am heimischen Schreibtisch. Anstatt Listen in eine App zu tippen, was oft in wenigen Sekunden erledigt und ebenso schnell vergessen ist, nahm ich mir die Zeit, meine Packliste sorgfältig ins Heft zu schreiben.
Ich zeichnete meine Ausrüstung. Die Skizze meiner zweiäugigen Spiegelreflexkamera, einer robusten analogen Mittelformatkamera, fand ihren Platz neben der Liste der Filme, die ich mitnehmen wollte. Ich notierte mir, welche Brennweiten ich für welche Situationen einplante und wie ich meinen Rucksack organisieren wollte. Dieser Prozess des Zeichnens und Schreibens ist langsam.
Er zwingt dazu, sich wirklich mit den Gegenständen auseinanderzusetzen. Brauche ich dieses Objektiv wirklich? Habe ich genug Film für zwei Wochen? Durch das langsame Niederschreiben verfestigten sich die Pläne. Die Seite im Notizbuch wurde zu einer visuellen Bestandsaufnahme meiner kreativen Werkzeuge.
Während der Reise selbst, inmitten einer pulsierenden Metropole Tokio oder in den ruhigen Gassen eines abgelegenen Viertels, diente das Passport Notebook als Anker. Es ist leicht, sich in der Reizüberflutung einer fremden Umgebung zu verlieren.
Das Smartphone ist dabei oft eher Ablenkung als Hilfe, da jede Benachrichtigung den Fokus unterbricht. Das Notizbuch hingegen ist passiv. Es fordert keine Aufmerksamkeit, sondern wartet geduldig.
Ich nutzte es, um fremdsprachige Phrasen zu notieren, die ich für die Kommunikation benötigte. Sätze wie die Bitte um Erlaubnis für ein Porträt oder die Frage nach dem Weg wurden handschriftlich festgehalten. Das Ablesen aus dem eigenen Notizbuch wirkte in der Interaktion mit Einheimischen oft sympathischer und weniger distanziert als der Blick auf einen Übersetzungs-Bildschirm.
Ein weiterer Aspekt war das Führen eines Belichtungsprotokolls. In der analogen Fotografie gibt es keine EXIF-Daten, die automatisch gespeichert werden. Wenn man Wochen später die entwickelten Negative betrachtet, hat man oft vergessen, bei welcher Blende oder Verschlusszeit ein Bild entstanden ist oder wo genau der Standort war.
Das Traveler’s Notebook lag stets griffbereit in meiner Tasche. Nach einer Aufnahme notierte ich kurz die Bildnummer, die Belichtungswerte und eine Notiz zur Lichtstimmung. Diese Aufzeichnungen sind nicht nur technisch wertvoll, um aus Fehlern zu lernen, sondern dienen auch als Tagebuch. Liest man später „Bild 12: 1/60, f/5.6, tiefstehende Sonne, Geruch von Regen“, wird der Moment der Aufnahme im Gedächtnis sofort wieder lebendig.
Das Einkleben von physischen Belegen wurde zu einem Ritual am Abend. Eintrittskarten von Museen, Kassenbons von kleinen Nudelrestaurants oder das Etikett einer Getränkeflasche wanderten mit Hilfe von Kleberollern ins Heft. Diese Ephemera, die man normalerweise wegwirft, bildeten zusammen mit den handschriftlichen Notizen eine Collage des Tages. Das Papier wellte sich leicht durch den Klebstoff und die Tinte, das Buch wurde dicker und unhandlicher, aber genau das machte seinen Reiz aus. Es fühlte sich “benutzt” an im besten Sinne des Wortes.
Das Schreiben zwang mich auch zur Reflexion. In einem ruhigen Moment in einer Kapselunterkunft oder einem Café ließ ich den Tag Revue passieren. Was hatte ich gesehen? Was hatte ich gefühlt? Diese Gedanken formulierten sich beim Schreiben anders als beim Tippen. Es entstand eine Tiefe, die in der Hektik des Reisens sonst oft verloren geht. Ich notierte Beobachtungen über das Licht, über die Menschen, über die seltsame Melancholie, die einen manchmal an fremden Orten überkommt.
Die Rückkehr zur analogen Planung und Dokumentation war keine Absage an die moderne Technik. Ich nutzte weiterhin digitale Karten zur Orientierung und natürlich auch eine Digitalkamera neben meiner analogen Ausrüstung. Doch das Traveler’s Notebook in Caramel übernahm die Rolle des Gedächtnisspeichers. Es konservierte die Vorfreude, die während der Planung entstanden war, und bewahrte die kleinen Details der Reise, die sonst im digitalen Rauschen untergegangen wären.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Traveler’s Notebook Passport Size weit mehr ist als nur ein modisches Accessoire für Hipster oder Vintage-Liebhaber. Es ist ein Werkzeug zur Entschleunigung und zur Schärfung der Wahrnehmung.














