Die Fujifilm X-E5 für diesen Artikel wurde uns freundlicherweise von refurbed zur Verfügung gestellt.
Zwei Monate können wie im Flug vergehen, vor allem dann, wenn man fast täglich mit einer Kamera unterwegs ist. Beim Blick auf den Bildzähler der Fujifilm X-E5 musste ich vor kurzem selbst kurz stutzen, denn die Marke von zehntausend Aufnahmen ist bereits gefallen. Eine fünfstellige Auslösezahl in dieser kurzen Zeitspanne klingt nach reichlich Arbeit, doch im Alltag mit einer kompakten Kamera sammelt sich Bildmaterial erstaunlich schnell an.
Aus einzelnen Schnappschüssen beim Spaziergang, kurzen Serienbildern und bewussten Fotoausflügen wird schnell ein beachtlicher Berg an Bilddaten. Zeit also für ein erstes Zwischenfazit in unserer Langzeitserie.

Eindruck nach zwei Monaten
Nach dieser intensiven Zeit lässt sich vor allem eines festhalten: Die Kamera macht schlichtweg Freude im alltäglichen Gebrauch. Genau das war der zentrale Anspruch, den ich vorab an das System gestellt hatte. Die X-E5 meistert den Spagat zwischen einer handlichen Begleiterin, die man unkompliziert in die Jackentasche oder die kleine Umhängetasche steckt, und einem vollwertigen fotografischen Werkzeug. Man kann sie einfach nebenbei mitlaufen lassen, ohne dass sie zur Last fällt.
Gleichzeitig verleitet sie aber keineswegs dazu, nur noch flüchtige Erinnerungsbilder zu knipsen. Wenn das Licht spannend wird, lädt die Kamera dazu ein, innezuhalten, sich Zeit für den Bildaufbau zu nehmen und neue Perspektiven auszuprobieren. Diese Vielseitigkeit sorgt dafür, dass die Kamera kaum noch auf dem Schreibtisch liegen bleibt. Doch wo viel Licht ist, fallen bei zehntausend Auslösungen natürlich auch ein paar handfeste Schattenseiten auf.


Der Sucher
In den ersten Wochen war die Positionierung des elektronischen Suchers am linken Gehäuserand noch etwas gewöhnungsbedürftig. Das gilt insbesondere für Aufnahmen im Hochformat. Wer jahrelang mit zentral sitzenden Suchern fotografiert hat, merkt schnell, dass die Messsucher-Konstruktion hier eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Dreht man die Kamera nach rechts, ragt das Gehäuse plötzlich ungewohnt weit nach oben über den Kopf. Dreht man sie nach links, verdeckt der Kamerakörper fast das gesamte Gesicht, sodass man die Umgebung mit dem zweiten Auge kaum noch wahrnehmen kann.
Mit der Zeit stellt sich zwar ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, vollkommen natürlich fühlt sich die Haltung für mich aber immer noch nicht an. In der Praxis habe ich mein Verhalten daher angepasst. Sobald ein Motiv nach einem Hochformat verlangt, schaue ich inzwischen meistens auf das Display, anstatt das Auge an die Suchermuschel zu pressen.


Das Klappdisplay
Mit dem Bildschirm selbst bin ich in den vergangenen zwei Monaten allerdings noch nicht vollends warm geworden. Das liegt weniger an der Bildqualität des Monitors, sondern am Klappmechanismus. Im direkten Vergleich mit einer Sony A7R II fällt auf, wie viel Kraft und Fingerspitzengefühl die Konstruktion von Fujifilm verlangt. Bei der Sony genügt ein einziger Finger, um das Display im Vorbeigehen nach oben zu klappen. Bei der X-E5 brauche ich in der Regel mindestens zwei Finger und etwas Nachdruck, um das Display aus seiner Arretierung zu lösen.
Möglicherweise liegt diese Steifigkeit daran, dass das Gehäuse noch recht frisch ist und der Mechanismus erst mit der Zeit geschmeidiger wird. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Konstruktion schlichtweg komplexer ausfällt. Schließlich lässt sich der Bildschirm nicht nur nach oben und unten neigen, sondern auch komplett nach vorne in eine Selfie-Position klappen. Diese Funktion an sich ist im Alltag ein echter Gewinn.
Wenn man spontan mit Freunden unterwegs ist oder ein Selbstporträt mit einem Weitwinkelobjektiv aufnehmen möchte, klappt man den Monitor nach vorne und hat den Bildausschnitt sofort sicher im Griff. Für den reinen Neigevorgang nach oben hätte ich mir dennoch eine etwas unkompliziertere, leichtgängigere Mechanik gewünscht.


Belichtungssteuerung ohne Programmrad
Ein Bereich, der mich nach wie vor begeistert, ist die Fujifilm-typische Belichtungslogik. Man kann die X-E5 wunderbar in eine Vollautomatik versetzen und der Kamera die Wahl aller Belichtungswerte überlassen, wenn es einmal schnell gehen muss. Der entscheidende Vorteil liegt aber darin, wie nahtlos man in diesen Prozess eingreifen kann.
Möchte man der Szene etwas mehr Licht geben, dreht man einfach an der Belichtungskorrektur. Will man eine Bewegung gezielt einfrieren, wählt man direkt die passende Verschlusszeit am oberen Rad, und die Blende wird passend am Objektivring gewählt. Bei den meisten anderen Kamerasystemen muss man erst umständlich das Programmrad von P auf A, S oder M drehen, was den kreativen Fluss jedes Mal kurz ausbremst. Bei Fujifilm greift man einfach an das entsprechende Rad und hat die volle Kontrolle, ohne vorher ein Menü bemühen zu müssen.



Ein echtes ISO-Rad
So gelungen die Steuerung von Zeit und Blende ist, so schmerzlich vermisse ich nach wie vor ein dediziertes Einstellrad für die Lichtempfindlichkeit. Das digitale Verstellen des ISO-Werts über ein Multifunktionsrad oder das Bildschirmmenü fühlt sich im fotografischen Alltag schlichtweg zu hakelig an.
Mehr als einmal ist es mir in den vergangenen Wochen passiert, dass sich beim schnellen Drehen ein falscher Wert eingestellt hat oder ich versehentlich in einem Untermenü gelandet bin. Ein klassisches, mechanisches ISO-Rad auf der Gehäuseschulter, wie man es von manchen größeren Schwestermodellen kennt, würde das manuelle Bedienkonzept erst wirklich rund machen. So bleibt die ISO-Einstellung der einzige Wert, den man nicht mit einem kurzen, blinden Handgriff absolut sicher einstellt.
Der fliegende Akku
Ein Punkt, der bei zukünftigen Modellpflegen dringend überarbeitet werden sollte, betrifft die Unterseite der Kamera. Die gemeinsame Unterbringung von Akku und Speicherkarte in einem einzigen Fach ist schon vom Grundprinzip her unpraktisch, da man beim Kartentausch stets das gesamte Fach öffnen muss. Viel schwerer wiegt jedoch der eigentliche Verriegelungsmechanismus des Akkus.
Fujifilm scheint hier noch nicht die goldene Mitte gefunden zu haben. Während sich der Akku bei älteren Gehäusen wie der X-T20 teilweise nur mit Mühe und Not aus dem Schacht ziehen ließ, schießt die X-E5 in die entgegengesetzte Richtung. Der kleine Kunststoffhebel, der den Akku im Schacht sichert, reagiert extrem sensibel. Wenn man das Fach öffnet und den Riegel nur leicht berührt, schnellt der Akku mit ordentlich Schwung heraus. Mir ist es bei einem zügigen Wechsel auf offener Straße bereits passiert, dass sich der Akku frühzeitig verabschiedet hat und unsanft auf dem Pflaster gelandet ist. Hier wäre eine straffere, besser dosierte Federung deutlich materialschonender.

Zwischenfazit
Trotz dieser praktischen Eigenheiten und kleineren Kritikpunkte fällt die Zwischenbilanz nach zehntausend Aufnahmen positiv aus. Die Fujifilm X-E5 hat sich als verlässliche Partnerin etabliert, die mich vor allem durch ihre unkomplizierte Verfügbarkeit und die lebendigen Bildergebnisse überzeugt. Sie lädt dazu ein, fotografisch am Ball zu bleiben und die Kamera nicht nur zu besonderen Anlässen hervorzuholen. Im weiteren Verlauf des Testjahres wird sich zeigen, wie sich das Gehäuse bei wechselhaften Witterungsbedingungen und auf längeren Reisen schlägt.
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