Nachdem wir bereits das Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO und das AF 90mm f/2.2 EVO ausführlich in der Praxis getestet haben, liegt es natürlich nahe, die beiden Objektive direkt miteinander zu vergleichen.
Viltrox verfolgt mit seiner EVO-Reihe einen erfreulich bodenständigen Ansatz. Anstatt schweres Spezialglas mit extremen Blendenöffnungen von f/1.2 oder f/1.4 zu bauen, setzt der Hersteller ganz bewusst auf kompakte Abmessungen, ein moderates Gewicht und eine praxistaugliche Lichtstärke. Wer auf der Suche nach einer leichten Festbrennweite im moderaten Telebereich für das Kamerasystem ist, steht nun vor einer echten Luxusentscheidung. Beide Optiken bedienen sehr ähnliche Anforderungen und buhlen um denselben Platz in der Ausrüstung.

Gemeinsamkeiten bei Gehäuse, Ausstattung und Haptik
Betrachtet man die beiden Objektive nebeneinander, fallen sofort die zahlreichen Gemeinsamkeiten auf. Viltrox macht es Interessierten hier wirklich nicht leicht, da sich die Konstruktionen in vielen Punkten gleichen oder extrem nah beieinander liegen.
Beide Objektive setzen auf ein sauber verarbeitetes Metallgehäuse in mattem Finish, das sich angenehm wertig anfühlt, ohne die Waage zu strapazieren. Mit jeweils rund 325 Gramm gehören beide Modelle zu den erfreulich leichten Vertretern ihrer Brennweitenklasse und harmonieren hervorragend mit schlanken Kameragehäusen. Auch der Filtergewindedurchmesser ist mit 58 Millimetern bei beiden Modellen identisch, was den Einsatz von Filtern ohne zusätzliche Adapterringe spürbar erleichtert.
Ein Highlight beider Versionen ist der mechanische Blendenring. Wer mechanische Bedienelemente bevorzugt, profitiert davon im Alltag ungemein. Man kann die Blende bereits blind vorwählen, noch bevor die Kamera überhaupt eingeschaltet ist. Zudem behält man die Kombination aus Blendenwert und Verschlusszeit jederzeit direkt im Auge, ohne auf das Display blicken zu müssen.
Am Bajonett bieten beide Linsen eine feine Gummilippe, die das Gehäuse vor eindringendem Schmutz und Feuchtigkeit schützt. Über einen integrierten USB-C-Anschluss lassen sich künftige Firmware-Updates bequem aufspielen. Selbst bei der Naheinstellgrenze von jeweils rund 74 Zentimetern herrscht weitgehend Gleichstand.

Wie unterscheiden sie sich?
Die Unterschiede zwischen den beiden Festbrennweiten liegen vor allem in den feinen Nuancen der technischen Daten. Bei der maximalen Blendenöffnung bietet das 75mm mit f/1.8 auf dem Papier eine etwas größere Öffnung als das 90mm mit seiner Lichtstärke von f/2.2.
In der alltäglichen Praxis fällt dieser Unterschied von einer halben Blendenstufe jedoch kaum ins Gewicht. Bei Aufnahmen unter schwierigen Lichtverhältnissen muss man mit dem 90mm lediglich die ISO-Empfindlichkeit minimal anheben oder eine Nuance länger belichten.
Was die Freistellung des Motivs angeht, gleicht die längere Brennweite des 90mm die etwas geringere Blendenöffnung nahezu vollständig aus. Die Schärfentiefe und das Aussehen der Unschärfebereiche wirken bei beiden Modellen sehr ähnlich, wobei die neun Blendenlamellen bei beiden Varianten für weiche und ruhige Hintergründe sorgen.
Auch bei der Bildschärfe und der gesamten optischen Leistung liegen die Kontrahenten extrem eng beieinander. Beide Linsen liefern bereits bei offener Blende im Bildzentrum eine beachtliche Schärfe und einen hohen Kontrast. Zu den Bildrändern hin lässt die Auflösung bei Offenblende minimal nach, fängt sich jedoch bei beiden Optiken zuverlässig ab Blende f/2.8 und erreicht bei f/4.0 ein homogenes Niveau bis in die Ecken.
Farbsäume sind bei beiden Objektiven gut kontrolliert und treten nur an sehr harten Kontrastkanten in geringem Umfang auf. Durch die identische Naheinstellgrenze von 74 Zentimetern bietet das 90mm rein optisch einen geringfügig größeren Abbildungsmaßstab, sodass kleine Bilddetails minimal größer ins Bild rücken als beim 75mm.
90mm oder 75mm: Welche Brennweite passt zu wem?
Der entscheidende Faktor bei der Wahl ist letztlich die Brennweite. An einem APS-C-Sensor entspricht das 75mm einer kleinbildäquivalenten Brennweite von rund 112 Millimetern, während das 90mm einen Bildwinkel von 135 Millimetern abbildet. Auch hier muss man festhalten, dass dieser Unterschied in der Praxis nicht gewaltig ist. Viele Motive lassen sich mit beiden Festbrennweiten gleichermaßen gut einfangen.
Um einen nahezu identischen Bildausschnitt zu erhalten, genügt es meistens schon, einen Schritt näher an das Geschehen heranzutreten oder einen Schritt zurückzugehen. Dennoch bestimmt der Abstand zum Motiv auch die Perspektive und die optische Verdichtung des Hintergrunds.
Die Kaufentscheidung sollte man daher am ehesten vom eigenen Setup und den persönlichen Vorhaben abhängig machen. Es kommt vor allem darauf an, welche Brennweiten sich bereits im eigenen Bestand befinden. Besitzt man beispielsweise schon eine Optik im Bereich von 50 bis 60 Millimetern an APS-C, ist der Schritt zum 75mm relativ klein. In diesem Fall bietet das 90mm einen spürbareren Mehrwert und eine sinnvollere Abstufung nach oben hin.
Wer hingegen hauptsächlich mit Objektiven im Bereich von 23 bis 26 Millimetern arbeitet, für den schließt das 75mm die Lücke zum Telebereich oft deutlich harmonischer, ohne dass ein allzu großer Abstand im mittleren Bereich entsteht.
Persönliches Fazit und Empfehlung
Müsste ich mich persönlich für eines der beiden Modelle entscheiden, würde ich zum 75mm greifen. Für mich ist diese Brennweite eine sehr gute Ergänzung zu einem 35mm Objektiv, was dem klassischen 50mm Bildwinkel am Kleinbild entspricht.
Das 75mm isoliert das Motiv sehr sauber und bietet dennoch ein wenig mehr Spielraum beim Bildaufbau, der beim 90mm mitunter schon knapp werden kann. Gerade in Innenräumen sind die 90 Millimeter manchmal etwas zu nah dran, weil man schlicht nicht weiter zurücktreten kann, um ein Motiv voll abzudecken.
Sollte man dann doch einmal einen engeren Ausschnitt benötigen, kann man bei modernen, hochauflösenden Sensoren immer noch etwas zuschneiden. Dieses nachträgliche Croppen ist natürlich nicht in jeder Hinsicht ideal, aber immer noch besser, als ein Motiv vor Ort gar nicht erst vollständig erfassen zu können.
Eine finale und allgemeingültige Antwort kann ich somit nicht geben, da beide Objektive eine überzeugende Figur abgeben. Beide Linsen punkten mit einer sauberen mechanischen Ausführung, geringem Transportgewicht und einer sehr soliden Bildqualität zu einem fairen Preis. Auf jeden Fall kann man sagen, dass man mit keinem der beiden Objektive etwas falsch macht. Und sollte man sich am Ende überhaupt nicht entscheiden können, holt man sich einfach beide.
Weitere Beispielbilder
Weitere Beispielbilder zu den beiden Objektiven findest du in den Testberichten zum 75mm und dem 90mm.
Objektive kaufen
Beide Festbrennweiten sind sowohl direkt über den offiziellen Online-Shop des Herstellers als auch über den Versandhandel erhältlich. Das Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO lässt sich direkt bei Viltrox sowie über Amazon bestellen. Wer sich für das etwas längere Modell interessiert, findet das Viltrox AF 90mm f/2.2 EVO im Webshop von Viltrox oder direkt bei Amazon.

























