Telebrennweiten mit hoher Lichtstärke sind in der Praxis oft recht groß und schwer. Vor kurzem hatte ich bereits das Viltrox AF 90mm f/2.2 EVO im Test, das sich durch seine kompakte Bauweise und sein geringes Gewicht ausgezeichnet hat.
Mit dem Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO folgt nun das nächste Modell dieser Serie, das eine leichtere Alternative zu den deutlich schwereren Objektiven mit einer Lichtstärke von f/1.2 oder f/1.4 bietet. Für diesen Praxistest war das Objektiv an der kompakten Fujifilm X-E5 montiert.

Technische Daten des Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO
Auf dem Papier richtet sich das Objektiv an Fotografen, die Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis aus Bildqualität und Handlichkeit legen. An einem APS-C-Sensor ergibt die Brennweite von 75 Millimetern einen Bildwinkel, der etwa 112 Millimetern im Kleinbildformat entspricht. Die maximale Blendenöffnung von f/1.8 bietet eine hohe Lichtstärke, erlaubt aber gleichzeitig ein kompaktes Gehäuse mit einem Filtergewinde von 58 Millimetern.
Im Inneren arbeiten elf Linsen in neun Gruppen. Darunter befinden sich zwei Linsen mit besonders geringer Dispersion sowie zwei hochbrechende Glaselemente zur Korrektur optischer Fehler. Eine Vergütung der Frontlinse reduziert Reflexionen und Streulicht. Für das automatische Scharfstellen sorgt ein leiser Schrittmotor, der direkt mit der Kameraelektronik zusammenarbeitet.
Die Naheinstellgrenze beträgt 74 Zentimeter. Mit einem Gewicht von rund 325 Gramm und einem Metallgehäuse ordnet sich die Optik in die EVO-Reihe des Herstellers ein. Ein USB-C-Anschluss am Bajonett ermöglicht spätere Firmware-Updates direkt über den Computer.
Das Bajonett ist mit einer Gummilippe versehen, die vor Staub und Feuchtigkeit schützt. Neben der Version für Fujifilm X gibt es das Objektiv auch für die Anschlüsse Sony E und Nikon Z. Zum Lieferumfang gehören die beiden Objektivdeckel, eine Streulichtblende sowie ein Stoffbeutel.
In der Praxis an der Kamera
Befestigt man das 75mm f/1.8 am Gehäuse der Fujifilm X-E5, fällt sofort die gute Gewichtsverteilung auf. Während schwere Teleobjektive an den flachen Gehäusen der X-E-Reihe schnell zu einer spürbaren Kopflastigkeit führen, bleibt diese Kombination angenehm ausbalanciert und lässt sich auch über längere Zeit bequem halten.
Sehr gut gefällt mir der manuelle Blendenring. Ich bin ein großer Fan dieser mechanischen Steuerung und ziehe sie einer digitalen Einstellung über die Einstellräder der Kamera jederzeit vor. Das zeigt sich besonders dann, wenn man die Kamera zwischendurch ausschaltet.
Sieht man dann ein Motiv, kann man die passende Blende bereits mechanisch vorwählen, noch bevor die Kamera überhaupt betriebsbereit ist. Das Einschalten geschieht ja leider immer noch nicht ohne Verzögerung, viele Grüße an dieser Stelle an Fuji. Zudem hat man Blende und Verschlusszeit jederzeit direkt im Blick, ohne erst auf das Display schauen zu müssen. Der Blendenring rastet sauber in Drittelstufen ein und besitzt einen angenehmen mechanischen Widerstand.

Der Schrittmotor arbeitet beim Scharfstellen zügig und leise. Bei statischen Motiven und gutem Licht stellt das System zuverlässig scharf. Bei schnellen Abstandsänderungen braucht der Motor gelegentlich einen kurzen Augenblick, um den genauen Punkt zu treffen. Auch das Kamerasystem selbst genehmigt sich je nach Motiv ab und zu eine kurze Pause. Im fotografischen Alltag reicht die Geschwindigkeit des Autofokus jedoch vollkommen aus.



Bei der Bildschärfe liefert das Objektiv bereits bei Offenblende überzeugende Ergebnisse. In der Bildmitte bildet das Viltrox Details und feine Strukturen schon bei f/1.8 klar ab. Zu den Rändern hin lässt die Schärfe bei ganz geöffneter Blende leicht nach, legt beim Abblenden auf f/2.8 und f/4.0 aber deutlich zu und bietet dann ein gleichmäßiges Bildfeld bis in die Ecken. Zusammen mit einem hochauflösenden 40-Megapixel-Sensor werden viele Details erfasst, sodass auch nachträgliche Ausschnitte problemlos möglich sind.
Farbsäume an starken Kontrastkanten treten nur in geringem Umfang auf und lassen sich bei der RAW-Bearbeitung mit wenigen Klicks entfernen. Die Hintergrundunschärfe fällt dank der neun Blendenlamellen ruhig und gleichmäßig aus. Motive lassen sich durch die Kombination aus Brennweite und Blendenöffnung sauber freistellen, während Lichtpunkte im Hintergrund weitgehend rund bleiben. Bei Gegenlicht hilft die mitgelieferte Gegenlichtblende dabei, den Kontrast im Bild stabil zu halten.




Fazit zum Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO
Das Viltrox AF 75mm f/1.8 EVO hinterlässt nach dem Test einen durchweg stimmigen und praxisnahen Eindruck. Dem Hersteller gelingt hier ein überzeugender Kompromiss zwischen hoher Lichtstärke und kompakten Abmessungen. Anstatt das letzte Quäntchen an Blendenöffnung auf Kosten von Gewicht und Handlichkeit zu erzwingen, bietet diese Festbrennweite genau das Maß an Mobilität, das man sich an schlankeren Kameragehäusen wünscht.
Optisch liefert das Objektiv bereits ab Offenblende ein scharfes und detailreiches Bildzentrum. Wer die äußeren Bildbereiche auf ein vergleichbar homogenes Niveau bringen möchte, blendet einfach um ein bis zwei Stufen ab und profitiert dabei von der hohen Auflösung moderner Sensoren. Die Unschärfebereiche wirken angenehm ruhig, und das Freistellungsvermögen genügt vollkommen, um ein Motiv klar vom Umfeld abzugrenzen.
Neben den optischen Eigenschaften überzeugt vor allem das haptische Gesamtkonzept. Das solide verarbeitete Metallgehäuse vermittelt eine verlässliche Wertigkeit, ohne unnötig schwer in der Tasche zu liegen. Der manuelle Blendenring erweist sich im Alltag als echter Mehrwert. Die Möglichkeit, die Blende vor dem Einschalten mechanisch vorzuwählen oder Belichtungszeit und Blendenwert mit einem kurzen Blick von oben zu kontrollieren, macht das Fotografieren erfreulich direkt.


Kleinere Abstriche müssen Fotografen lediglich bei der Ausstattung hinnehmen. Ein eigener optischer Bildstabilisator fehlt, sodass man bei längeren Belichtungszeiten auf die interne Stabilisierung des Kameragehäuses angewiesen ist. Auch der Autofokus reagiert im Zusammenspiel mit der Kameraelektronik bei schnellen Abstandsänderungen gelegentlich mit einer kurzen Bedenkzeit, arbeitet unterm Strich aber leise und treffsicher.
Wer auf der Suche nach einer leichten, lichtstarken Festbrennweite mit klassischer Mechanik ist und nicht die spürbare Masse deutlich schwererer Modelle tragen möchte, erhält hier ein sehr ausgewogenes Werkzeug zu einem fairen Preis.
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Das Objektiv ist im Fotofachhandel sowie online erhältlich – unter anderem direkt beim Hersteller im Viltrox-Shop oder bei Amazon.
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