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G6 Thumb Camera

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Die Welt der Fotografie ist reich an Kuriositäten und technologischen Experimenten. Während sich die großen Hersteller in einem ständigen Wettlauf um die höchsten Megapixelzahlen, die schnellsten Autofokussysteme und die größte Dynamik befinden, existiert parallel dazu ein ganz anderer Markt. Es ist der Markt der Nischenprodukte, der Gadgets und der Kameras, die nicht durch Leistung, sondern durch ihre schiere Existenz und Formgebung auffallen wollen.

In diese Kategorie fällt zweifellos die G6 Thumb Camera. Sie ist klein, sie ist unscheinbar und sie verspricht die Reduktion auf das Wesentliche in einem Format, das kaum größer ist als der Daumen einer erwachsenen Hand.

Mein Ziel war es herauszufinden, ob hinter der winzigen Fassade mehr steckt als nur ein kurzweiliger Scherzartikel und ob sie für einen ernsthaften Fotografen, der die Bildqualität analoger Filme schätzt, einen Platz in der Jackentasche verdient hat.

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Größenvergleich mit einem Kleinbildfilm (35mm)
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Lieferumfang

Wenn man die Kamera zum ersten Mal aus der Verpackung nimmt, fällt die Größe sofort ins Auge. Der Begriff Thumb Camera ist hier wörtlich zu nehmen. Im Lieferumfang befinden sich neben dem Gerät selbst lediglich ein einfaches USB-Kabel und eine Tragekette aus Metall, die suggeriert, dass man dieses Gerät wie einen Schlüsselanhänger immer bei sich tragen soll.

Die Verarbeitung ist dem Preis entsprechend einfach gehalten. Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff. Es gibt sie in verschiedenen Designs.

Ein Detail, das mir im Alltag negativ aufgefallen ist, betrifft die Anschlüsse. Betrachtet man das Gehäuse rundherum, so stellt man fest, dass es keine Abdeckung für den Slot der Micro-SD-Karte und den Ladeport gibt. Diese liegen offen und sind somit Staub, Fusseln und Feuchtigkeit schutzlos ausgeliefert. Wer die Kamera, wie vom Hersteller wohl angedacht, permanent in der Hosentasche oder am Schlüsselbund trägt, wird hier früher oder später mit Verschmutzungen zu kämpfen haben.

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Die Bedienung der Kamera ist denkbar minimalistisch konzipiert, was bei der Größe auch kaum anders möglich wäre. Eingeschaltet wird das Gerät über einen Knopf auf der Oberseite. Dies geschieht sehr einfach und schnell, was für die Schnappschussfotografie eigentlich ein Vorteil ist.

In der Praxis erwies sich dieser Umstand jedoch als zweischneidiges Schwert. Da der Druckpunkt nicht sonderlich schwergängig ist und der Knopf etwas exponiert liegt, aktiviert sich die Kamera in der Hosentasche gerne von selbst. Hier muss man tatsächlich etwas aufpassen, wenn man die Kamera in der Tasche hat, dass der Abschalter nicht aus Versehen gedrückt wird und die Kamera dann unbemerkt läuft, bis der Akku leer ist. Alternativ hätte auch ein mechanischer Schiebeschalter zum Anschalten der Kamera das Problem elegant gelöst.

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Hat man die Kamera eingeschaltet, blickt man auf ein winziges Display auf der Rückseite. Es dient sowohl zur Bildkomposition als auch zur Menüführung. Es gibt zwar einen optischen Sucher, doch dieser muss an dieser Stelle als reines Gimmick bezeichnet werden. Der Durchblick ist winzig, ungenau und liegt fern von dem, was später auf dem Bild zu sehen sein wird. Man verlässt sich also besser auf das Display, auch wenn dieses natürlich keine Beurteilung der Schärfe zulässt.

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Das Menü mit den Einstellungen erreicht man durch gedrückt halten der unteren Taste auf der Rückseite. Die Navigation ist rudimentär, aber funktional. Dort lässt sich unter anderem auch die Aufnahmegröße einstellen. Ein Feature, das für viele Nutzer relevant sein dürfte, ist der Zeitstempel. Auf Wunsch kann ein Aufnahmedatum in die Bilder eingefügt werden. Dies verleiht den Bildern einen gewissen Dokumentarcharakter, der an alte Überwachungskameras oder frühe Digitalkameras erinnert. Wer das Bild lieber rein haben möchte, kann dies aber auch ausschalten.

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Ein akustischer Aspekt der Kamera lässt sich hingegen nur teilweise kontrollieren. Die Tastentöne lassen sich zwar im Menü ausschalten, was die Navigation angenehm lautlos macht. Der Ton beim Auslösen sowie die Signaltöne beim Ein- und Ausschalten lassen sich jedoch nicht deaktivieren. Das ist in Situationen, in denen man unauffällig fotografieren möchte, durchaus störend.

Die Kamera macht bei jedem Bild auf sich aufmerksam. Dazu passt auch ein weiteres technisches Merkmal, das eher in die Kategorie Kuriosität fällt. Bei jedem Auslösen gibt es einen Fake Blitz. Eine kleine LED an der Front leuchtet kurz auf. Das hat keinerlei fotografischen Nutzen, da die Lichtausbeute minimal ist und nicht mit dem Verschluss synchronisiert im Sinne eines echten Blitzes wirkt. Es ist ein netter Gag, lässt sich allerdings nicht ausschalten. Man leuchtet sein Motiv also zwangsläufig immer an, was die Diskretion weiter einschränkt.

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Im Fotomodus selbst bietet die Software der Kamera einige Spielereien an. Durch die Pfeiltasten kann zwischen verschiedenen Fotoeffekten gewechselt werden. Ich habe diese Filter alle durchprobiert, um zu sehen, ob sie der Bildästhetik zuträglich sind.

Ein wirkliches Highlight ist meiner Meinung nach hier nicht dabei. Die Farbfilter wirken oft überzogen oder künstlich. Am ehesten ist noch der Schwarzweiß-Modus zu gebrauchen, der den Bildern durch den Entzug der Farbe eine gewisse grafische Qualität verleiht und das Rauschen etwas weniger störend wirken lässt. Es gibt hierbei jedoch ein Ärgernis in der Bedienung.

Beim Ausschalten wird der Fotoeffekt wieder auf Standard zurückgesetzt. Das ist natürlich etwas ärgerlich, wenn man einen bestimmten Effekt, wie etwa den Schwarzweiß-Modus, dauerhaft nutzen möchte. Man muss ihn nach jedem Neustart der Kamera wieder manuell auswählen.

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Ein Überblick über eine Auswahl der Effekte

Ein weiterer technischer Punkt betrifft die Energieversorgung und deren Auswirkung auf die Einstellungen. Ist der Akku komplett leer, setzt sich auch die eingestellte Uhrzeit zurück. Wenn man die Kamera also eine Weile nicht genutzt hat und der Akku sich entladen hat, stimmen die Metadaten und der Zeitstempel auf den Bildern nicht mehr, bis man sie im Menü wieder mühsam korrigiert hat.

Nun kommen wir zum wohl wichtigsten Punkt für jeden Fotografen, der Bildqualität. Hier muss man sehr differenziert urteilen und die Erwartungshaltung klären. Selbst im Vergleich mit einer Einwegkamera, die wahrscheinlich einfachste gängige analoge Kamera, sind die Ergebnisse nicht annähernd vergleichbar.

Natürlich muss man dazu sagen, dass auch eine Einwegkamera in der Regel etwas größer ist, aber selbst eine Pocketfilmkamera liefert noch eine höhere Qualität. Das hat natürlich zugegebenermaßen mit der Größe zu tun, aber es liegt vor allem am Medium selbst. Es ist ein Irrglaube, dass analoge Kameras, nur weil sie einfach gebaut sind, eine schlechte Bildqualität haben. Auch wenn die Kameras komplett aus günstigstem Plastik sind und eine Linse aus Plastik haben, haben sie den Vorteil Film.

Also ein Aufnahmemedium, das eine sehr hohe Auflösung und einen enormen Detailgrad hat. Zudem umfasst der Film einen großen Belichtungsspielraum und liefert auch bei falschen Belichtungseinstellungen noch ansehnliche Ergebnisse und hat einen hohen Kontrastumfang. All diese physikalischen Vorteile des chemischen Films fehlen dem winzigen digitalen Sensor der G6 Thumb Camera.

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Von der Bildqualität erinnern die Bilder der G6 eher an die Pre-Smartphone-Ära-Bilder mit einer Handykamera. Wir sprechen hier von der Ära der ersten Fotohandys mit VGA-Auflösung oder knapp darüber. Die Bilder sind oft matschig, Details verschwimmen zu einer pixeligen Masse, und der Dynamikumfang ist extrem begrenzt. Helle Bereiche fressen schnell aus und werden weiß, während Schattenbereiche einfach schwarz absaufen. Bei gutem Tageslicht gelingen manchmal charmante Aufnahmen, die einen gewissen Lofi-Charakter haben, aber sobald das Licht schwindet, nimmt das digitale Rauschen überhand und die Farben werden flau.

So sehr für mich die Shootingerfahrung eine Rolle spielt, die in diesem Fall viel Freude macht, so sehr ist mir auch wichtig, dass mir das Ergebnis am Ende gefällt. Die Handhabung des kleinen Geräts macht durchaus Spaß. Es ist unkompliziert, man nimmt sich selbst nicht zu ernst und man wird von der Umgebung kaum als Fotograf wahrgenommen.

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Wenn ich mir die Bilder am Computer ansehe, stellt sich oft Ernüchterung ein. Hier greife ich dann lieber zu einer anderen Kamera, die auch Bilder in meinem Sinne erstellt. Jeder Moment ist einzigartig und diese möchte ich ja mit einer Kamera für die Ewigkeit einfangen.

Hier möchte ich mich nicht später mal ärgern, dass ich ein Bild mit einer Kamera gemacht habe und die mir aus technischer Sicht dann nicht gefallen. Ein unwiederbringlicher Moment, festgehalten in einer Qualität, die das Motiv kaum erkennen lässt, ist am Ende ein verlorener Moment.

Es stellt sich die Frage, für wen diese Kamera eigentlich gedacht ist. Sie ist sicher ein lustiges Geschenk oder ein Accessoire für einen Abend, an dem die Bildqualität keine Rolle spielt. Aber als Werkzeug zur Dokumentation des Alltags taugt sie nur bedingt. Dennoch regt das Konzept zum Nachdenken an.

Spannend wird es, wenn es Kameras in dieser Größe und dem Preis mit einem Kamerasensor der heutigen Smartphonegeneration gibt. Man stelle sich vor, die Bildverarbeitung und Sensorqualität eines aktuellen Mittelklasse-Smartphones würde in diesem Formfaktor verbaut werden.

Das wäre eine echte Alternative für die Hosentasche, eine Immer-Dabei-Kamera, die qualitativ hochwertige Erinnerungen festhalten kann, ohne den Ballast eines großen Gehäuses oder die Ablenkung eines Smartphones mit seinen Apps und Benachrichtigungen. Bis dahin bleibt die G6 Thumb Camera jedoch ein technisches Spielzeug.

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Abschließend lässt sich sagen, dass die G6 Thumb Camera ein kleines Gadget ist, das durch seine Form und den Preis neugierig macht. Kaufen kann man sie bei den gängigen Online-Plattformen mit Versand aus China, wie Aliexpress, unter dem Begriff Thumb Camera oder Keychain Kamera. Der Preis ist meist so niedrig, dass man den Kauf kaum bereuen wird, selbst wenn das Gerät später in der Schublade landet.

Wer jedoch auf der Suche nach einer ernsthaften kompakten Kamera ist oder den analogen Look sucht, wird hier enttäuscht werden. Der analoge Film, selbst in seiner einfachsten Form der Einwegkamera, bietet eine Ästhetik und Substanz, die dieser digitale Sensor nicht simulieren kann.

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