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Thermodruck-Sofortbildkamera im Test

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Wenn die Fotografie zur Routine wird, wenn das Streben nach dem technisch perfekten Bild die ursprüngliche Freude am Festhalten eines Moments überschattet, dann ist es vielleicht an der Zeit für einen radikalen Perspektivwechsel.

Manchmal braucht es keinen neuen, teuren Vollformatsensor oder ein noch lichtstärkeres Objektiv, sondern das genaue Gegenteil: eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Für mich kam dieser Anstoß in Form einer kleinen, unscheinbaren Kamera, die eigentlich für eine ganz andere Zielgruppe konzipiert wurde. Eine Kinderkamera.

Doch dieses Gerät ist mehr als nur ein Spielzeug. Es ist eine Einladung, die Fotografie neu zu entdecken, den Spaß am Experiment wiederzufinden und den Perfektionismus für einen Moment beiseitezulassen.

Dieser Praxisbericht, der mich unter anderem durch die belebten Straßen Tokios führte, ist eine Auseinandersetzung mit einer Technologie, die ebenso faszinierend wie flüchtig ist – und mit einer erstaunlich günstigen Alternative, die mehr kreatives Potenzial birgt, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Es geht um die Rückkehr zum spielerischen Sehen und die Erkenntnis, dass ein gutes Bild nicht immer scharf, farbecht und für die Ewigkeit sein muss.

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Ein Blick auf den Thermodruck

Bevor wir uns in die Praxis stürzen, ist ein kurzer technischer Exkurs notwendig, denn das Herzstück dieser Kameras ist eine Technologie, die den meisten eher von Kassenzetteln und Versandetiketten bekannt sein dürfte: der Thermodirektdruck.

Im Gegensatz zu Tintenstrahl- oder Laserdruckern kommen diese Geräte gänzlich ohne Tinte, Toner oder Farbbänder aus. Stattdessen verwenden sie ein spezielles, hitzeempfindliches Papier. Dieses Papier ist mit einer Schicht überzogen, die Chemikalien enthält, die bei Raumtemperatur farblos sind.

Der Druckkopf der Kamera besteht aus vielen kleinen Heizelementen, die computergesteuert und punktgenau erhitzt werden. Bewegt sich das Papier an diesem Thermodruckkopf vorbei, löst die Hitze an den erhitzten Stellen eine chemische Reaktion aus, die die Beschichtung schwarz färbt. So entsteht das Bild, Punkt für Punkt, nur durch die Einwirkung von Wärme.

Dieses Verfahren hat entscheidende Vorteile, die es für den Einsatz in einer mobilen, unkomplizierten Kamera prädestinieren: Die Drucker sind durch ihren einfachen Aufbau mit wenigen beweglichen Teilen robust, wartungsarm und langlebig. Zudem sind sie kompakt und arbeiten leise.

Der größte Vorteil liegt jedoch in den Betriebskosten: Da keine Verbrauchsmaterialien wie Tinte benötigt werden, sind die Kosten pro Bild unschlagbar niedrig. Man muss lediglich neues Thermopapier nachlegen, was den Prozess erfreulich unkompliziert gestaltet.

Kameras für Kinder

Lange Zeit war der Markt für Kinderkameras von bunten, robusten Digitalkameras geprägt, deren Hauptaugenmerk auf einfacher Bedienung und Widerstandsfähigkeit lag. Die Integration von Thermodruckern hat diesem Segment jedoch einen neuen, kreativen Impuls gegeben. Plötzlich wird das digitale Bild wieder zu einem greifbaren Objekt, das man sofort in den Händen halten, weitergeben oder einkleben kann.

Eine Vielzahl dieser Kameras findet sich auf den großen Online-Plattformen wie Amazon, AliExpress oder Temu. Die Modelle ähneln sich oft in ihrer grundlegenden Funktionsweise, unterscheiden sich aber im Design und in den Zusatzfunktionen.

Bekannte Hersteller von Lernspielzeug wie VTech haben mit Modellen wie der „KidiZoom Print Cam“ ebenfalls auf diesen Trend reagiert und bieten durchdachte Produkte an, die mit zahlreichen Bearbeitungsmöglichkeiten, Rahmen und Spielen speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind. Diese Kameras sind oft mit Selfie-Linsen, robusten Gehäusen und einer besonders kindgerechten Menüführung ausgestattet.

Doch auch die günstigeren, oft markenlosen Modelle, die direkt aus China importiert werden, bieten einen erstaunlichen Funktionsumfang und laden zum Experimentieren ein, ohne das Budget stark zu belasten.

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Die „Kids camera P2“ im Detail

Mein persönliches Versuchsobjekt für diese fotografische Reise war ein Modell mit dem schlichten Namen „Kids camera“, Modell P2, hergestellt von Shenzhen BinBinYouli Technology. Die Kamera, die in verschiedenen Farben erhältlich ist, hat ein niedliches Design, das an einen Bären erinnert. Diese Form ist nicht nur verspielt, sondern auch funktional, denn an den beiden Ohren lässt sich praktischerweise ein Kameragurt befestigen..

Schon beim ersten Inspizieren fallen einige Besonderheiten auf. Die Verarbeitung ist einfach, dem Preis, rund 16 Euro, entsprechend. Es gibt keine Abdeckungen für den USB-C-Ladeport und den microSD-Kartenschlitz.

Ein Stativgewinde fehlt ebenfalls, was ich persönlich schade finde. Zwar verfügt die Kamera über einen Selbstauslöser, doch ohne die Möglichkeit, sie sicher auf einem Stativ zu befestigen, ist dessen Nutzen etwas eingeschränkt. Für Selfies wäre ein kleiner Spiegel an der Vorderseite, wie man ihn von vielen Instax Mini Kameras kennt, eine sinnvolle Ergänzung gewesen, um den Bildausschnitt besser kontrollieren zu können.

Die Bedienung hingegen ist erfreulich unkompliziert. An der Seite befindet sich ein kleiner Schiebeschalter, der die Kamera komplett sperrt und ein versehentliches Einschalten in der Tasche verhindert.

Einmal eingeschaltet, ist die Kamera schnell einsatzbereit. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Menüs, wie dem Fotomodus, Videomodus und der Galerie, geht flott vonstatten. Jeder Tastendruck wird von einem Soundeffekt begleitet, den man glücklicherweise im Menü auch deaktivieren kann. Zudem gibt es noch Spiele und die Möglichkeit Musik abzuspielen.

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Eine der interessantesten Funktionen ist die Drucksteuerung. Man kann einstellen, dass jedes Foto sofort nach der Aufnahme gedruckt wird. Alternativ lässt sich der Sofortdruck deaktivieren, sodass die Bilder zunächst nur auf der Speicherkarte gesichert werden.

Aus dem Wiedergabe-Menü heraus kann dann jedes gespeicherte Bild beliebig oft nachgedruckt werden. Dazu muss man lediglich den Aufnahmebutton, der hier mit einem Stern markiert ist, drücken. Das ist besonders praktisch für Gruppenbilder, bei denen man jedem eine Kopie des Moments mitgeben möchte.

Ein festes und leider nicht zu entfernendes Element ist die Datumseinbelichtung auf jedem Ausdruck. Auch ein Blitz ist bei diesem spezifischen Modell nicht vorhanden, obwohl es durchaus Thermodruck-Kameras auf dem Markt gibt, die über einen verfügen.

Der eingebaute Akku ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist man von Wechselbatterien unabhängig, andererseits kann ein defekter Akku das Ende der Kamera bedeuten. Dank des modernen USB-C-Anschlusses benötigt man jedoch kein spezielles Ladekabel und kann die Kamera mit jedem gängigen Handynetzteil oder einer Powerbank aufladen.

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In den Einstellungen kann man verschiedene Optionen für den Druck wählen.

Besonders deutlich wird der Unterschied in der Druckqualität, wenn man zwischen den beiden Modi „Dot Print“ und „Greyscale“ wechselt. Der „Dot Print“-Modus ist deutlich schneller und erzeugt den typischen, grobkörnigen Look. Der „Greyscale“-Modus versucht, Graustufen zu simulieren, was zu einem etwas weicheren, aber auch matschigeren Ergebnis führt und merklich länger für den Ausdruck benötigt.

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Die digitale Datei für die Beispieldrucke

Tokio im Thermodruck

Ausgestattet mit diesem kleinen Bären machte ich mich auf den Weg durch Tokio. Die Stadt, ein Kaleidoskop aus Neonlichtern, traditionellen Tempeln und unzähligen Menschen, schien der perfekte Ort zu sein, um die Grenzen und Möglichkeiten dieser ungewöhnlichen Kamera auszuloten.

Die Kamera erwies sich schnell als fantastischer Eisbrecher. Ihre verspielte Erscheinung sorgte oft für ein Lächeln und machte es leichter, auf Menschen zuzugehen und Porträts zu machen. Das sofortige Aushändigen eines kleinen, schwarz-weißen Ausdrucks schuf eine unmittelbare Verbindung, eine geteilte Freude über den flüchtigen Moment.

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Der Reiz lag im Unperfekten. Die Bilder haben oft eine grobe, fast abstrakte Ästhetik. Details verschwimmen in einem Raster aus schwarzen Punkten, Kontraste werden hart wiedergegeben. Manchmal erinnern die Ergebnisse an ein schlechtes Fahndungsfoto oder einen verblichenen Zeitungsausschnitt. Doch genau darin liegt ihr Charme. Sie zwingen einen dazu, anders zu sehen, in starken Kontrasten, Formen und Linien zu denken, anstatt sich auf Farbstimmungen oder feine Details zu verlassen.

Eine besonders spannende Entdeckung war das Experimentieren mit alternativen Papiersorten. Da die Kamera einfaches Thermopapier verwendet, kann man sie auch mit herkömmlichen Kassenzetteln beladen. Wenn diese bereits bedruckt sind, zum Beispiel mit dem Logo eines Supermarktes oder einer Liste von Einkäufen, führt dies zu faszinierenden Effekten. Das fotografierte Motiv überlagert die vorhandene Schrift und erzeugt eine Art unbeabsichtigte Doppelbelichtung, die dem Bild eine weitere, oft surreale Ebene hinzufügt.

Der Rollenwechsel selbst ist denkbar einfach: Klappe auf, alte Rolle raus, neue Rolle rein, Klappe zu. Man muss lediglich darauf achten, dass die Rolle richtig und gerade eingelegt ist, da das Papier sonst beim Drucken stocken oder schief eingezogen werden kann. Die extrem günstigen Kosten pro Bild luden dabei ständig zum Experimentieren ein, ohne dass man sich über verschwendetes Material Gedanken machen musste. Für eine Rolle zahlt man je nach Händler so zwischen 20-50 Cent.

Eine der größten Herausforderungen war das Display, das bei direkter Sonneneinstrahlung nur sehr schwer zu erkennen war, was die Bildkomposition teils zum Ratespiel machte.

Auch bei der Handhabung offenbarten sich einige Tücken. Für den Test wurde unter anderem spezielles Thermopapier mit einer Sticker-Rückseite verwendet. Eine tolle Idee, um die Bilder direkt einkleben zu können, doch je nach Papierhersteller war die Rolle etwas zu groß für das Gehäuse, was beim Drucken zu einem Stocken führte.

Zudem erwies sich das Abreißen des Papiers als problematisch. Die Abrisskante ist nicht scharf genug, wodurch das Bild leicht einreißt oder man versehentlich einen Teil der Papierrolle mit herauszieht. Bleibt das Papier auf diese Weise hängen, stoppt der Druckvorgang. Glücklicherweise speichert sich die Kamera das Bild, sodass man den Druck einfach erneut starten kann.

Im täglichen Gebrauch fielen auch einige Punkte bei der Software auf. Es wäre wünschenswert, wenn die Kamera direkt beim Einschalten im Aufnahmemodus starten würde, anstatt im Hauptmenü. Auch die Einschaltzeit könnte kürzer sein, um spontane Momente schneller festhalten zu können.

Im Anzeigemodus fehlt zudem eine Übersichtsseite mit mehreren Thumbnails, um schnell durch die aufgenommenen Bilder zu navigieren. Stattdessen muss man sich Bild für Bild durchklicken, wobei jedes Foto einen kurzen Moment zum Laden benötigt.

Da der Drucker über Hitze funktioniert, ist es nur logisch, dass er auch überhitzen kann. Im Test passierte dies nach einer Serie von etwa 40 bis 50 Bildern bei einer Raumtemperatur von circa 22 Grad. Die Kamera blendete eine Nachricht ein, die zu einer Pause aufforderte. An einem heißen Sommertag dürfte diese Grenze wahrscheinlich deutlich früher erreicht werden.

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Nachteile des Thermodrucks

So faszinierend der Prozess auch ist, die Nachteile des Thermodirektdrucks dürfen nicht unerwähnt bleiben. Der größte Nachteil ist die mangelnde Haltbarkeit der Bilder. Das hitzeempfindliche Papier reagiert nicht nur auf den Druckkopf der Kamera, sondern auch auf Umwelteinflüsse.

Bei Einwirkung von UV-Licht, sei es durch direkte Sonneneinstrahlung oder starke künstliche Beleuchtung, verblasst der Druck mit der Zeit. Auch Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit können den Bildern zusetzen und sie verschwimmen lassen. Die chemische Reaktion, die das Bild erzeugt, ist reversibel; der Farbstoff kann wieder in seinen farblosen Zustand zurückkehren.

Wie lange ein solcher Ausdruck genau hält, ist schwer zu sagen und hängt stark von den Lagerbedingungen ab. In einem dunklen Fotoalbum oder einer Box aufbewahrt, sind sie wesentlich langlebiger als an einer sonnenbeschienenen Wand. Die im Internet genannten Zeitspannen reichen von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren, wobei einige Hersteller von Spezialpapier sogar von bis zu 10 Jahren sprechen.

Diese Flüchtigkeit ist ein zentraler Aspekt, den man akzeptieren muss. Es sind keine Bilder für die Ewigkeit. Interessanterweise gab es in der Geschichte der Fotografie bereits ähnliche Phänomene. Bestimmte frühe Polaroid-Filme waren ebenfalls dafür bekannt, dass die Bilder nach einiger Zeit verblassten oder sich verfärbten.

Wie der eingefangene Moment selbst, war auch seine physische Repräsentation vergänglich. Ein Gedanke, der in unserer heutigen, auf ewige digitale Archivierung ausgerichteten Zeit fast schon philosophisch anmutet.

Der entscheidende Vorteil gegenüber diesen alten Polaroid-Filmen ist jedoch, dass bei der Digitalkamera die digitale Datei auf der Speicherkarte erhalten bleibt. Man hat also immer die Möglichkeit, das Bild erneut auszudrucken oder digital zu archivieren, auch wenn der ursprüngliche, physische Ausdruck bereits verblasst ist.

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Fazit

Die „Kids camera P2“ und ihre Artgenossen sind weit mehr als nur Kameras für Kinder. Sie sind ein Werkzeug zur kreativen Entschleunigung und eine Antithese zum hochgezüchteten Equipment, das viele von uns im Fotorucksack haben.

Die rohe, monochrome Ästhetik hat ihren ganz eigenen Reiz und eröffnet neue Wege des Sehens und Komponierens. Der niedrige Preis der Kamera und die verschwindend geringen Kosten pro Ausdruck nehmen jeglichen Druck und machen die Fotografie wieder zu dem, was sie ursprünglich war: ein spielerischer Akt des Entdeckens.

Natürlich ist die Bildqualität nicht mit der einer herkömmlichen Kamera zu vergleichen, und die mangelnde Haltbarkeit der Drucke ist ein erheblicher Nachteil für jeden, der seine Bilder für die Nachwelt konservieren möchte. Doch vielleicht liegt gerade in dieser Flüchtigkeit ein besonderer Wert.

Die Tatsache, dass jede Aufnahme zusätzlich als digitale Datei gesichert wird, bietet einen willkommenen Kompromiss zwischen der physischen Unmittelbarkeit und der digitalen Beständigkeit.

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