Im Feld der analogen Schnappschusskameras kann man aus einem breiten Feld wählen. Kameras mit denen man schnell mal ein Foto machen kann. Hier sind etwa die Modelle von Olympus, Yashica oder auch Lomo zu nennen.
Die Revue 35FC ist auch eine solche Kamera. Allerdings ist dieses Modell unbekannter. Grund genug also, die Kamera mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die 35FC wurde Mitte der 1980er Jahre vorgestellt. Vertrieben durch das einstige deutsche Versandhaus Foto Quelle, handelt es sich bei der Kompaktkamera um ein Produkt, das von Haking in Hongkong gefertigt wurde.
Haking produzierte zu der Zeit ein breites Angebot an Modellen. Der Fokus lag dabei eher auf dem Massenmarkt und weniger auf hoher Qualität. Die Kameras wurden von Haking unter der eigenen Marke, aber auch unter verschiedenen Handelsmarken angeboten. Dieses Modell wurde etwa international unter verschiedenen Namen wie Haking Compact-SC, Halina Micro 35, Miranda 35ME oder Ansco 2000 Micro 35 verkauft.
Vom Aussehen erinnert die Kamera stark an die Lomo LC-A bzw. deren Vorbild, die Cosina CX-2. Zufall? Kann sein, aber es ist auch möglich, dass man sich von den populären Kameras hat inspirieren lassen.
Die Kamera wurde in verschiedenen Farben angeboten. So gab es sie unter anderem in Rot, Gelb, komplett in Schwarz und Blau. Das Gehäuse der Kamera ist aus Kunststoff, was sie wiederum sehr leicht macht. Das Gewicht ohne Filme liegt bei rund 230 Gramm.
Die funktionale Ausstattung der Revue 35FC ist auf das Wesentliche reduziert, was die Bedienung erheblich vereinfacht. Im Zentrum steht das fest verbaute Objektiv mit einer Brennweite von 38 mm und einer Lichtstärke von f/3.5. Diese klassische Weitwinkelbrennweite eignet sich gut für eine Vielzahl von Motiven, von Landschaftsausschnitten bis hin zu Gruppenaufnahmen.
Die Fokussierung ist fix, was bedeutet, dass der Fotograf die Schärfe nicht manuell einstellen kann. Der Hersteller hat den Fokus für einen Bereich von etwa 1,5 Metern bis unendlich optimiert. Für Aufnahmen im Nahbereich gibt es eine mechanische Umschaltung, die einen Bereich von 70 cm bis 1,5 m abdecken soll. Diese wird über einen Schieber aktiviert, der während der Aufnahme in Position gehalten werden muss, was eine etwas eigenwillige, aber funktionale Lösung darstellt.
Ihre Bestimmung ist klar definiert: Sie ist eine Kamera für den Schnappschuss, für das Festhalten von Erinnerungen ohne den Anspruch auf technische Perfektion, aber mit dem Potenzial für eine individuelle Bildsprache. Ihre handliche Größe, die sie je nach Kleidung auch in einer Hosentasche Platz finden lässt, macht sie zu einer idealen Wahl für unterwegs.
Ein entscheidendes Merkmal der Kamera ist das Fehlen eines integrierten Belichtungsmessers. Die Belichtungssteuerung erfolgt stattdessen über die Wahl der Filmempfindlichkeit. An der Vorderseite der Kamera lässt sich mittels eines Schalters zwischen ISO 100, 200 und 400 wählen. Diese Einstellung wählt eine korrespondierende, feste Blendenöffnung aus, während die Verschlusszeit konstant bei 1/125 Sekunde liegt.
Für Situationen mit unzureichendem Umgebungslicht verfügt die Revue 35FC über einen integrierten Blitz. Dieser aktiviert sich bei Bedarf automatisch und lässt sich nicht manuell abschalten. Seine Energie bezieht er aus zwei handelsüblichen AAA-Batterien, die gleichzeitig die einzige Stromquelle sind, die die Kamera benötigt. Zwei kleine LEDs auf der Rückseite signalisieren die Blitzbereitschaft. Dass der Blitz manuell eingeschaltet werden kann ist praktisch, da man so komplette kreative Freiheit zur Nutzung dessen hat.
Ein besonderes und für eine Kompaktkamera eher seltenes Merkmal ist der Schnellspannhebel auf der Rückseite. Dieser Hebel transportiert nicht nur den Film zum nächsten Bild, sondern öffnet bei Betätigung auch die schützende Objektivabdeckung. Das Schließen der Abdeckung erfolgt manuell durch Herunterdrücken.
Geladen wird der Film, indem man die Rückwand öffnet, was durch das Herausziehen der Rückspulkurbel geschieht. Auf ein Stativgewinde wurde bei der Kamera verzichtet, dies wäre auch unnötig, da es weder einen Selbstauslöser, Anschluss für einen Kabelauslöser oder eine Option für Langzeitbelichtungen gibt.
Die Revue 35FC ist keine besondere Kamera. Ihre Stärke liegt in ihrer Einfachheit. Man muss sich nicht mit komplexen Einstellungen auseinandersetzen, sondern kann sich ganz auf das Motiv und den Moment konzentrieren.
Der Filmtransporthebel macht die Bedienung zu einem haptischen Vergnügen; das Geräusch des Transports und das Aufklappen des Objektivschutzes nach einer Aufnahme vermitteln ein befriedigendes Gefühl der Interaktion mit dem Gerät.
Ihre kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht machen sie zur perfekten Begleiterin für Ausflüge und Reisen, bei denen man unbeschwert fotografieren möchte.
Durch den geringen Funktionsumfang eignet sich die Kamera gut für Einsteiger in die analoge Fotografie. Je nachdem, wie günstig man die Revue findet, stellt sie auch eine gute Alternative zu einer Einwegkamera da.
Die limitierte Auswahl bei der Filmempfindlichkeit kann sich als nachteilig erweisen, da sie den Fotografen in seiner Flexibilität einschränkt. Man ist an die drei ISO-Stufen gebunden und muss seine Filmwahl vorausschauend treffen. Dies zwingt zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Film als gestalterischem Element.
Die Bildqualität, die das Glasobjektiv liefert, ist für eine Kamera dieser Klasse erwartungsgemäß nicht überragend, sie besitzt jedoch einen ausgeprägten, eigenen Charakter. Die Aufnahmen haben oft eine leichte Vignettierung und eine gewisse Weichheit, die den Bildern einen nostalgischen und unverwechselbaren Look verleiht.
Gerade dieser Aspekt macht die Kamera für Anhänger der Lomografie und für alle, die den unperfekten, aber authentischen Bildeindruck schätzen, interessant. Sie ist ein Werkzeug, das nicht auf technische Brillanz, sondern auf Spontaneität und den Charme des Unmittelbaren ausgelegt ist.
Die Revue 35FC ist somit mehr als nur ein einfacher Apparat; sie ist eine Einladung, die Fotografie spielerisch und ohne den Druck der Perfektion zu erleben.




















Danke für die Vorstellung! Ich überlege mir eine gebraucht bei eBay zu holen.
Richtig schöner Bericht! Ich habe die Revue 35FC früher auch mal besessen. Der Plastik-Look hat irgendwie total Charme und die Bilder sehen mit dem leichten Retro-Touch super aus. Macht direkt Lust, mal wieder analog zu fotografieren.
Toller Blog! Ich lese hier immer gerne mit, egal ob es um Profi-Equipment oder solche kleinen Schätze geht. Man muss nicht immer tausende Euro ausgeben, um Spaß am Fotografieren zu haben.
Für mih nix
Für alle, die eine günstige Alternative zur Lomo LC-A suchen, ist das echt ein guter Tipp. Ich würde aber empfehlen, eher ISO 400 Filme zu nutzen, da man bei der festen Verschlusszeit von 1/125s sonst schnell unterbelichtete Bilder kriegt, wenn die Sonne mal nicht scheint.