Die Godox C100 ist eine ungewöhnliche Mischung aus digitaler Spaßkamera und integriertem Belichtungsmesser. Mit ihrem transparenten Sichtfenster und einem sehr geringen Gewicht richtet sie sich an Menschen, die Freude an unkomplizierten Schnappschüssen und experimenteller Fotografie haben. Wir schauen uns die Kamera etwas genauer an.

Technische Daten
Im Inneren der Godox C100 arbeitet ein einfacher Bildsensor, der Fotos mit einer nativen Auflösung von zwei Megapixeln aufzeichnet. Bei Aufnahmen im Breitbildformat 16 zu 9 ergibt das eine Bildgröße von 1920 mal 1080 Pixeln. Neben diesem Standardverhältnis bietet die Software drei weitere Seitenverhältnisse an, nämlich das traditionelle Kleinbildformat 3 zu 2, das Format 4 zu 3 sowie ein quadratisches Seitenverhältnis im Format 1 zu 1.
Wählt man eines dieser anderen Formate, schneidet die Kamera das Bild digital zu, sodass die effektive Pixelzahl auf der Speicherkarte entsprechend kleiner ausfällt. Für bewegte Bilder steht ein Videomodus zur Verfügung, der Clips in Full HD mit einer Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde aufnimmt.
Das Gehäuse besteht vollständig aus weißem Kunststoff und bringt inklusive des integrierten Akkus lediglich 65 Gramm auf die Waage. Dank dieser sehr leichten Bauweise lässt sich das Gerät bequem überallhin mitnehmen und fällt selbst in kleinen Taschen kaum auf.


Das auffälligste Merkmal auf der Rückseite ist das große, durchsichtige Kunststofffenster, das als optischer Durchsichtsucher dient. Direkt in diese Scheibe ist eine Flüssigkristallanzeige eingelassen. Sie blendet feine Hilfslinien für die Bildkomposition sowie grundlegende Statusinformationen ein, zu denen der Batteriestand, das gewählte Bildformat und der jeweils aktive Betriebsmodus gehören.
Für die nötige Energie sorgt ein fest verbauter Lithium-Ionen-Akku, der sich über eine zeitgemäße USB-C-Buchse an der Gehäuseunterseite aufladen lässt. Derselbe Anschluss dient auch als Datenschnittstelle, wenn man die aufgenommenen Fotos und Videos direkt auf einen Computer oder ein Smartphone übertragen möchte.
Zur Speicherung der Aufnahmen nutzt die Kamera handelsübliche Micro-SD-Karten mit einer Speicherkapazität von bis zu 128 Gigabyte. Dabei gilt es zu beachten, dass die Speicherkarte vor der ersten Nutzung im Dateisystem FAT32 formatiert sein muss, da die Kamera andere Dateisysteme nicht erkennt und Aufnahmen sonst unbemerkt verloren gehen können.
Auf die Speicherung von Metadaten wie Belichtungszeit, Blendenzahl oder ISO-Wert verzichtet die interne Bildverarbeitung vollständig. Auch wird keine Aufnahmezeit / Aufnahmedatum in die Dateien geschrieben.
In der Praxis
Das Design mit seinen abgerundeten Kanten sorgt für ein angenehmes Handgefühl, und trotz des geringen Gewichts wirkt das Gerät ordentlich verarbeitet. Auf der Vorderseite befindet sich der runde Auslöser, der mit dem Daumen gut erreichbar ist und einen klaren Druckpunkt bietet.
Über einen Schiebeschalter an der rechten Gehäuseseite wechselt man zwischen den Modi für Foto, Video und Belichtungsmessung oder schaltet das Gerät aus. Dieser Schalter sitzt recht stramm im Gehäuse, was ein versehentliches Verstellen in der Tasche verhindert, beim schnellen Umschalten im Alltag aber etwas Geduld und Kraft erfordert.
Ein zentraler Aspekt bei der Bedienung ist die akustische Rückmeldung. Beim Einschalten sowie bei jedem Druck auf den Auslöser gibt die Kamera über einen kleinen internen Lautsprecher einen deutlichen Signalton von sich.
Die klare Kunststoffscheibe ist nicht gehärtet und reagiert empfindlich auf Reibung. Wenn die Kamera lose mit Schlüsseln, Münzen oder anderen Gegenständen in einer Tasche transportiert wird, entstehen mit der Zeit kleine Kratzer auf der Oberfläche, die den Blick durch das Fenster beeinträchtigen können.

Fotokamera
In ihrer Funktion als Fotokamera folgt die Godox C100 dem Prinzip klassischer Spielzeugkameras. Das Erlebnis steht hier vor der technischen Perfektion, und das Fotografieren erhält durch den Verzicht auf einen echten Kontrollbildschirm einen angenehm spontanen Charakter.

Da man die gemachten Bilder nicht direkt auf dem Gerät betrachten kann, sieht man die Ergebnisse erst, wenn die Speicherkarte an einem Computer oder Smartphone ausgelesen wird. Das weckt Erinnerungen an das Entwickeln von Filmen, bei dem das fertige Bild ebenfalls erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar wird.
Die Bildkomposition durch das transparente Fenster verlangt allerdings etwas Eingewöhnung. Das verbaute Objektiv deckt einen ziemlich weiten Bildwinkel ab. Hält man die Kamera mit leicht angewinkeltem Arm oder auf Armlänge vor sich, passt der sichtbare Rahmen im Fenster nicht zu dem Bildausschnitt, den der Sensor tatsächlich aufnimmt.
Um eine verlässliche Vorschau zu bekommen, muss man das Gehäuse nah an das eigene Gesicht heranführen. In dieser kurzen Distanz zum Auge wird es für das menschliche Sehen jedoch anstrengend, die auf der Scheibe eingeblendeten Symbole und Rahmenlinien gleichzeitig mit dem Motiv scharf zu erfassen.
Die Bildqualität der Aufnahmen ist bewusst einfach gehalten und erinnert an frühe Kamerahandys oder Webcams aus den zweitausender Jahren. Mit zwei Megapixeln Auflösung ist der Detailgrad naturgemäß begrenzt, und feine Strukturen verschwimmen in der Gesamtschau.
Der Dynamikumfang fällt schmal aus, sodass helle Wolken oder sonnenbeschienene Flächen schnell ausbleichen, während dunkle Schattenpartien wenig Zeichnung behalten.
Das Objektiv arbeitet mit einem festen Fokus, der für mittlere und größere Entfernungen ausgelegt ist. Motive ab etwa einem Meter Distanz werden ordentlich abgebildet, während Objekte im Nahbereich unterhalb von etwa 60 Zentimetern deutlich an Schärfe verlieren.

Da der Sensor mangels Blitz oder Aufhelllicht viel Umgebungslicht benötigt, entstehen bei Dämmerung oder in Innenräumen eher körnige und kontrastarme Resultate.
Im Videomodus liefert die Kamera einfaches Full-HD-Material, das sich gut für kurze, nostalgisch anmutende Sequenzen eignet. Bei schnellen Schwenks oder zügigen Bewegungen macht sich ein rollender Verschluss bemerkbar, der vertikale Linien leicht verzieht.
Das eingebaute Mikrofon zeichnet Sprache und Umgebungsgeräusche auf einfachem Niveau auf, neigt bei windigem Wetter jedoch schnell zu Rauschen. Wer eine unkomplizierte Kamera für lockere Erinnerungsclips im Vintage-Stil sucht, wird damit seinen Spaß haben, während anspruchsvollere Filmprojekte andere Werkzeuge verlangen.
Belichtungsmesser für analoge Kameras

Ein interessantes Zusatzmerkmal ist die integrierte Funktion als Belichtungsmesser, die das Gerät besonders für Fans der analogen Fotografie attraktiv machen soll. Wer gerne mit älteren, vollmechanischen Kameras ohne eigene Batterie unterwegs ist, benötigt oft eine externe Orientierungshilfe für die richtige Belichtung. In diesem Messmodus erfasst der Sensor der Godox C100 die Helligkeit des Motivs und berechnet passende Werte für Blende, Verschlusszeit und Filmempfindlichkeit.
Die Messung erfolgt mittenbetont und orientiert sich an dem zentralen Bereich des Motivs. Über die Richtungstasten unterhalb des Sichtfensters kann man gezielt einen Parameter festlegen, beispielsweise die Empfindlichkeit des eingelegten Films auf ISO 100 oder ISO 400 einstellen und eine gewünschte Blende vorwählen.
Die Kamera zeigt daraufhin sofort die passende Verschlusszeit im Display an. Diese Werte lassen sich anschließend von Hand auf die analoge Kamera übertragen.
Im praktischen Einsatz liefert die Messung bei gleichmäßigem Tageslicht und normalen Lichtsituationen brauchbare Richtwerte, die für Negativfilme mit ihrem gutmütigen Belichtungsspielraum vollkommen ausreichen. Das Anpassen der Werte über die Bedientasten erfordert einige Klicks, wobei jeder Tastendruck von einem kurzen Signalton begleitet wird.
Für gelegentliche Kontrollmessungen unterwegs erfüllt das System seinen Zweck zuverlässig. Wer jedoch punktgenaue Lichtmessungen für anspruchsvolle Diafilme benötigt, wird mit einem klassischen Handbelichtungsmesser oder einer spezialisierten Smartphone-Anwendung komfortabler zum Ziel kommen. Dennoch ist es praktisch, einen funktionsfähigen Belichtungsmesser direkt in einer kleinen Zweitkamera dabei zu haben.

Fazit
Die Godox C100 ist ein eigenständiges Produkt, das digitale Spielerei und praktischen Nutzen auf unkonventionelle Weise verbindet. Das durchsichtige Fenster mit den eingeblendeten Linien ist eine charmante Idee, die das Fotografieren entschleunigt und den Fokus auf den Moment lenkt, auch wenn der weite Bildwinkel beim Einrahmen etwas Übung erfordert. Die Bildqualität von Fotos und Videos bewegt sich auf einem einfachen Niveau und richtet sich an Liebhaber eines rauen, digitalen Retro-Looks.

Zu den klaren Vorteilen gehören das federleichte Gehäuse, die moderne USB-C-Schnittstelle und der integrierte Belichtungsmesser, der sich im Zusammenspiel mit analogen Kameras als nützliche Hilfe erweist. Auf der anderen Seite stehen die kratzempfindliche Kunststoffscheibe, der laute Signalton und die systembedingten Grenzen bei Schärfe und Dynamik.
Für alle, die ein günstiges, sympathisches Werkzeug für kreative Experimente und unbeschwerte Schnappschüsse suchen, bietet die Kamera eine unterhaltsame Alternative zum allgegenwärtigen Smartphone.

Kaufen
Die Godox C100 ist im gut sortierten Fachhandel sowie über gängige Online-Plattformen erhältlich. Gekauft werden kann sie etwa direkt bei Amazon. Ausführliche Produktinformationen finden sich direkt auf der Internetseite des Herstellers unter https://www.godox.com/product-e/C100.html.
Weitere Beispielbilder
Die Bilder wurden alle mit der Godox C100 gemacht. Sie wurden nicht nachbearbeitet.

















































