Lomography hat vor kurzem die neue Simple Use Half Frame in einer Schwarz-Weiß-Variante vorgestellt. Diese analoge Kompaktkamera belichtet Filme im Halbformat und bietet somit doppelt so viele Aufnahmen pro Rolle. Wir schauen uns die Kamera etwas genauer an.

Erster Eindruck
Beim Auspacken fällt sofort das Gehäuse der Kamera auf. Obwohl die Konstruktion vollständig aus Kunststoff gefertigt ist, wirkt das Gehäuse keineswegs brüchig oder instabil.
Die Bezeichnung als besonders hochwertiges Produkt wäre sicherlich unpassend, jedoch hinterlässt die Mechanik einen verlässlichen Gesamteindruck. Sämtliche Bauteile sind fest zusammengefügt, wodurch das Gehäuse eine angemessene Stabilität für eine wiederverwendbare Schnappschusskamera aufweist.
Die Kamera ist relativ kompakt. Sie passt in eine größere Hosentasche.

Fotografieren mit der Kamera
Aufgrund der kompakten Bauweise und der quadratischen Gehäuseform ist wenig Fläche für einen festen Griff vorhanden. Besonders Personen mit größeren Händen empfinden das Halten mit der rechten Hand an der Vorderseite als eher unpraktisch. Hier besteht schnell die Gefahr, dass ein Finger unbeabsichtigt in den Bereich des Objektivs gerät und die Aufnahme verdeckt.
Es ist ratsam, die Kamera mit der linken Hand von unten zu stützen und dann mit dem Zeigefinger der rechten Hand auszulösen. Auf diese Weise bleibt das Objektiv frei und das Gehäuse liegt stabil in der Hand.

Das Daumenrad für das Weiterspulen des Films läuft sehr leichtgängig und erfordert bei der Bedienung wenig Anstrengung. Auch der Auslöser besitzt einen angenehmen Druckpunkt, was die Auslösung von Fotos vereinfacht.
Der integrierte Blitz wird durch einfachen Druck auf eine Taste aktiviert. Nach dem Auslösen schaltet sich die Bereitschaft des Blitzes jedoch wieder zurück. Aus diesem Grund ist etwas Vorsicht geboten, wenn mehrere Aufnahmen schnell hintereinander gemacht werden sollen. In solchen Situationen muss der Blitz für jedes einzelne Bild erneut manuell zugeschaltet werden.
Ein kleiner Schwachpunkt zeigt sich beim Bildzählwerk. Das Fenster für die Anzeige der bereits aufgenommenen Fotos ist sehr klein geraten und recht dunkel gestaltet, weshalb das Ablesen etwas Mühe erfordert.
Zusätzlich wäre eine Befestigungsmöglichkeit für eine Handschlaufe eine sinnvolle Ergänzung gewesen, um die Kamera bei Ausflügen zu sichern. Auch eine einfache Möglichkeit für Doppelbelichtungen hätte den Funktionsumfang sinnvoll erweitert.
Trotz dieser kleinen Einschränkungen bereitet die Kamera in der Praxis viel Freude. Sie lässt sich leicht in einer größeren Hosentasche transportieren und ist rasch einsatzbereit für spontane Aufnahmen.
Der Blick durch den Sucher vermittelt ein klassisches Gefühl der analogen Fotografie, wobei das Sucherbild primär als Orientierung dient. So entsteht genau die freie und kreative Art des Fotografierens, die man an analogen Kameras schätzt.
Entwicklung
Sobald der Film vollständig belichtet ist, steht die Entwicklung des Filmmaterials an. In diesem Schritt unterscheidet sich das Modell deutlich von gewöhnlichen Einwegkameras.
Die Kamera wird nach dem Gebrauch nicht abgegeben oder entsorgt, sondern bleibt im Besitz des Fotografen und kann erneut geladen werden. Man entnimmt lediglich die Filmpatrone und gibt diese zur Bearbeitung ab.
Der Ablauf beim Rückspulen unterscheidet sich leicht von klassischen Kleinbildkameras. Der Filmstreifen wird beim Fotografieren schrittweise aus der Patrone auf eine interne Spule gewickelt. Nach der letzten Aufnahme befindet sich das gesamte Material im Inneren des Gehäuses und muss zurück in die Patrone gespult werden. Dies geschieht über einen Drehknopf auf der linken Oberseite der Kamera.
Das Drehen gestaltet sich etwas mühselig, da der Sucher leicht im Weg steht und das Greifen des Knopfs erschwert. Der Vorgang ist jedoch problemlos machbar. Nach dem vollständigen Rückspulen kann die Gehäuserückwand geöffnet werden.

Bei der Wahl des Entwicklungsdienstes stehen verschiedene Optionen offen. Bei der Farbvariante der Kamera fällt die Entscheidung leicht, da fast alle Fotolabore den C-41 Standardprozess unterstützen. Für den hier genutzten Schwarz-Weiß-Film fiel die Wahl aus logistischen Gründen und aus persönlichem Interesse auf die Abgabe bei der Drogeriemarktkette DM. Der Drogeriemarkt leitet die Filme in diesem Fall an das Großlabor CEWE weiter.
Aus qualitativer Sicht stellt die Entwicklung im Großlabor eine Kompromisslösung dar. Eine maßgeschneiderte Schwarz-Weiß-Entwicklung erfordert eigentlich eine individuelle Abstimmung auf den jeweiligen Film, was in einer automatisierten Großanlage nicht umgesetzt werden kann. Sowohl die Scans als auch die Papierabzüge erreichen daher nicht die Güte von Arbeiten mit spezialisiertem Labor-Equipment. Dafür überzeugt dieser Weg durch eine hohe Bequemlichkeit im Alltag.

Das Großlabor CEWE hat bei der Ausarbeitung jeweils zwei Halbformatbilder zusammen auf einen Papierabzug gedruckt. Die gelieferten Digitalisierungen entsprechen genau diesem Format. Für insgesamt 22 Fotoabzüge inklusive der Filmentwicklung fielen Kosten von knapp sieben Euro an. Eine Besonderheit betrifft die Filmstreifen: Die Negative werden im Ganzen als ein ungeschnittener Streifen zurückgeliefert. Dadurch kann man das Material bei Bedarf selbst in gewünschte Abschnitte schneiden.


Fazit
Die Kamera ist eine spaßige Kamera für Einsteiger und Personen, die sich neu für die analoge Fotografie begeistern möchten. Auch als Geschenk für fotobegeisterte Freunde eignet sich das Modell gut.
Nach dem Kauf kann man direkt mit dem Fotografieren beginnen, da die Funktionsweise leicht zu verstehen ist. Durch das nutzbare Halbformat stehen viele Aufnahmen zur Verfügung, um verschiedene Motive und Lichtsituationen ohne Bedenken auszuprobieren.
Wenn die erste Filmrolle belichtet ist, dient diese Erfahrung als gute Grundlage, um sich im Anschluss an andere Filme oder komplexere Kameramodelle zu wagen.
Kaufen kann man die Kamera etwa direkt über den Online-Shop von Lomography.


































