Auf der Suche nach einem passenden Begleiter für die kompakte Fujifilm X-E5 sollte es ein schmaler Ledergurt sein, der den klassischen Stil der Kamera unterstreicht und zugleich handwerklich solide verarbeitet ist. Ob der Bronkey Berlin #102 diesen Anspruch im Alltag erfüllt und wie er sich im Vergleich an der analogen Olympus OM-2 schlägt, zeigt dieser Erfahrungsbericht.

Geschichte von Bronkey
Hinter dem Namen Bronkey steht eine Manufaktur, die im Jahr 2016 in Barcelona gegründet wurde. Die Idee entstand direkt aus der fotografischen Praxis heraus, da die Gründer nach Zubehör suchten, das funktionale Anforderungen erfüllt und gleichzeitig den ästhetischen Vorstellungen klassischer Fotografie entspricht. Anstatt auf industrielle Massenware zu setzen, entschied man sich für eine traditionelle Fertigung vor Ort in Spanien.


Das verwendete Vollnarbenleder bezieht das Unternehmen aus einer spanischen Gerberei, deren Wurzeln bis in das Jahr 1829 zurückreichen. Diese Gerberei arbeitet seit Generationen mit pflanzlichen Gerbverfahren, was dem Material eine besondere Festigkeit und eine natürliche Haptik verleiht. Jeder Gurt wird nach alten Handwerksmethoden geschnitten, gestempelt, gefärbt und mit Ölen sowie Wachsen veredelt. Ziel der Werkstatt ist es, Zubehör für Fotografen zu schaffen, das mit den Jahren durch den Gebrauch eine eigene Patina entwickelt und an Ausstrahlung gewinnt.
Der Kameragurt
Auf der Website von Bronkey gibt es verschiedene Ledergurte zur Auswahl. Dabei hat man im Prinzip, die Wahl zwischen den Modellen Tokyo, Berlin und Roma. Diese Unterscheiden sich im Design. Das Roma Modell ist vernäht, das Berlin Modell vernietet und das Tokyo Modell mit einer Kordel verbunden. Dazu hat man die Wahl zwischen verschiedenen Lederfarben und Längen.
Ich habe mich hier für das Berlin Modell in braunem Leder mit einer Länge von 95 cm entschieden. Geliefert wird der Gurt in einer kleinen Box und ist zusätzlich nochmal in einem Aufbewahrungsbeutel verstaut. Diesen wird man vermutlich nicht mehr nutzen, da man den Gurt, Spoiler, nicht mehr von seiner Kamera entfernen möchte.


Nimmt man den Bronkey Berlin #102 zum ersten Mal aus der Verpackung, fällt sofort die ursprüngliche Festigkeit des Leders auf. Das Material wirkt zunächst relativ steif, und auch die Innenseite fühlt sich anfangs etwas rau an. Wer geschmeidiges, weichgespültes Leder erwartet, wird im ersten Moment überrascht sein. Diese Eigenschaft ist bei echtem, pflanzlich gegerbtem Vollnarbenleder jedoch normal und verlangt schlicht ein wenig Geduld.
Mit jedem Einsatz im Feld und mit jeder Stunde des Tragens verändert sich die Struktur spürbar. Die Körperwärme, die natürliche Bewegung und die Berührungen sorgen dafür, dass der Gurt weicher, geschmeidiger und flexibler wird. Nach einigen ausgedehnten Spaziergängen legt er sich deutlich angenehmer um den Hals oder über die Schulter. Wer Wert auf Zubehör legt, das mit der Nutzung erst seine endgültige Form findet, wird an diesem Prozess Gefallen finden.

Der Berlin #102 zeichnet sich durch ein schlankes Profil aus. Er ist bewusst schmal gehalten, was Kameras wie der Fujifilm X-E5 oder auch einer analogen Messsucherkamera ein sehr aufgeräumtes und dezentes Erscheinungsbild verleiht. Der Gurt trägt kaum auf und lässt sich beim Transport in der Fototasche platzsparend um das Gehäuse wickeln, ohne den halben Raum einzunehmen.
Diese Bauweise setzt allerdings klare Grenzen beim Tragekomfort, die man vor dem Kauf bedenken sollte. Eine kompakte spiegellose Kamera mit einer kleinen Festbrennweite trägt sich über viele Stunden hinweg völlig problemlos. Ganz ähnlich verhält es sich mit der analogen Olympus OM-2, die als schlanke Spiegelreflexkamera mit einem kleinen Zuiko-Objektiv hervorragend mit dem schmalen Gurt harmoniert.

Hängt man dagegen eine schwere digitale Spiegelreflexkamera mit einem massiven Teleobjektiv an diesen Riemen, drückt das Gewicht mangels breiter Auflagefläche unweigerlich in den Nacken. Für schwere Ausrüstung ist dieser Schnitt schlicht nicht konzipiert.
In Sachen Markenauftritt hält sich Bronkey erfreulich zurück, auch wenn der Minimalismus noch einen Schritt weiter gehen könnte. Auf dem Gurt findet sich zweimal das Markenlogo als dezente Blindprägung auf der Außenseite wieder. Auf der Innenseite befindet sich zudem ein kleiner goldener Schriftzug, der beim Tragen unsichtbar am Körper anliegt.
Obwohl diese Kennzeichnungen sauber und unaufdringlich ausgeführt sind, hätte ich persönlich gerne auf eine der beiden äußeren Einprägungen verzichtet. Ein völlig markenfreies Erscheinungsbild würde den puristischen Charakter noch stärker hervorheben, da Produkte aus Naturleder ganz für sich selbst sprechen dürfen. Dennoch wirkt die Gestaltung keineswegs störend oder aufdringlich.

Im Lieferumfang befinden sich zwei kleine Lederschützer, die zwischen das Kameragehäuse und die Befestigungsringe geschoben werden. Sie sollen verhindern, dass das Metall der Ringe am Gehäuse scheuert und unschöne Kratzer hinterlässt.
Für die Ösen der Fujifilm X-E5 sind diese runden Lederplättchen allerdings einen Tick zu dick geraten. Das Einfädeln der Schlüsselringe erfordert daher einiges an Fingerspitzengefühl, Geduld und kräftige Fingernägel, um alles an Ort und Stelle zu bringen. Hat man diese Hürde bei der ersten Montage überwunden, zeigt sich jedoch der klare Vorteil dieser strammen Passform. Die Schützer sitzen vollkommen fest und verdrehen sich im Alltag nicht mehr.
Ein kleines optisches Detail lässt jedoch Raum für Verbesserungen. Die mitgelieferten runden Splintringe sind in einem hellen, glänzenden Silber gehalten. An einem klassischen Ledergurt mit Vintage-Charakter wirken diese Ringe fast ein wenig zu modern und nüchtern.
Eine Option mit dunkleren Ringen, einer matten Oberfläche oder einem warmen Messington würde das Gesamtbild noch stimmiger abrunden. Wer sich daran stört, kann die Ringe jedoch problemlos gegen passende Alternativen aus dem Zubehörhandel austauschen, sofern man die richtige Größe wählt.

Die Länge des Gurtes ist für das Tragen um den Nacken oder diagonal über die Schulter ausgelegt, sodass die Kamera etwa auf Hüfthöhe oder knapp darüber zur Ruhe kommt. Das ermöglicht ein schnelles Anheben auf Augenhöhe und sorgt für Bewegungsfreiheit beim Gehen.
Der Gurt lässt sich aber auch ohne Probleme als Handschlaufe umwandeln. So ist man natürlich deutlich flexibler mit der Kamera. Durch das schlanke Profil lässt er sich gut ums Handgelenk wickeln und stört auch nicht bei der Aufnahme.

Für manche Fotografen wäre jedoch eine zusätzliche, kürzere Längenoption eine sinnvolle Ergänzung im Sortiment. Wer die Kamera beim Wandern oder bei Reportagen gerne stabil auf Brusthöhe trägt, damit sie beim Vorbeugen weniger pendelt, wird eine solche Variante vermissen. Eine kürzere Ausführung würde das Portfolio für bestimmte Vorlieben sinnvoll erweitern.
Der Bronkey Berlin #102 beweist im Alltag, dass eine reduzierte Formgebung oft genau das Richtige für die Fotopraxis ist. Für Freunde kompakter Kameras wie der Fujifilm X-E5 oder klassischer analoger Gehäuse wie der Olympus OM-2 bietet der Gurt eine gelungene Verbindung aus ehrlicher Handarbeit und unaufdringlicher Ästhetik.
Wer bereit ist, dem Leder in den ersten Tagen etwas Zeit zum Eintragen zu geben, erhält einen verlässlichen Begleiter, der mit jedem Ausflug weicher wird und die eigene Kamera stilsicher ergänzt.

Kaufen
Wer nach einem ehrlichen, handwerklich sauber gefertigten Tragegurt sucht und kompakte Kameras bevorzugt, findet im Bronkey Berlin #102 eine verlässliche Option. Der Gurt verlangt am Anfang eine kurze Phase des Eintragens, belohnt dafür aber mit einer zeitlosen Optik und einem Material, das mit jeder Nutzung an Charakter gewinnt. Er ergänzt kompakte Gehäuse wie die Fujifilm X-Serie oder klassische analoge Kameras um ein schlichtes, langlebiges Werkzeug für den fotografischen Alltag.



























