Die Vivitar XV-10 ist eine analoge Spiegelreflexkamera für 35mm-Film, deren Funktionsweise rein mechanisch ist und die über ein eingebautes TTL-Belichtungsmesssystem verfügt.
Hergestellt wurde dieses Kameramodell in Japan von der Firma Cosina, wobei die technische Grundlage die Cosina CT-1 bildete. Ein Schwestermodell mit einem identischen Funktionsumfang stellt die Vivitar XV-1 dar.
Objektiv
Für die Vivitar XV-10 stand eine Auswahl verschiedener Standardobjektive zur Verfügung. Üblicherweise wurde sie mit Objektiven mit einer Brennweite von 50mm und maximalen Blendenöffnungen von f/2.0, f/1.8, f/1.7 (VMC) oder f/1.4 (VMC) ausgeliefert, die alle eine Fokussierung bis zu einer Distanz von 0,5 Metern (20 Zoll) erlaubten. Eine weitere Option war ein 40mm f/2.5 VMC-Objektiv, dessen Naheinstellgrenze bei 0,6 Metern (24 Zoll) lag.
Die Kamera nutzt das Pentax K-Bajonett, welches die Kompatibilität mit einer großen Bandbreite an Normal-, Weitwinkel-, Tele- und Zoomobjektiven sicherstellt, die für diesen Anschluss entwickelt wurden. Da der Objektivanschluss ausschließlich mechanisch ausgelegt ist, findet keine elektronische Übertragung von Daten zwischen dem Objektiv und dem Kameragehäuse statt.
Die Scharfstellung des Motivs geschieht manuell durch das Drehen des Fokussierrings am jeweiligen Objektiv. Zur Unterstützung bei diesem Vorgang ist im Sucher eine Einstellscheibe integriert, die einen zentralen Mikroprismenkreis mit einem umgebenden Mattscheibenring kombiniert. Eine korrekte Fokussierung ist erreicht, wenn das Abbild im Mikroprismenkreis klar und ohne Flimmern oder Fragmentierung erscheint. Ein automatisches Fokussystem ist bei diesem Modell nicht integriert.
Belichtungseinstellungen
Die Vivitar XV-10 ist mit einem TTL-Belichtungsmesssystem ausgestattet, das die Messung bei voll geöffneter Blende vornimmt. Die Lichtmessung erfolgt mittenbetont-integral durch zwei Cadmiumsulfid (CdS) Fotozellen, die sich hinter dem Pentaprisma seitlich des Sucherokulars befinden. Dieses Verfahren sichert ein durchgehend helles Sucherbild während der Komposition.
Die Ermittlung der korrekten Belichtung wird im Sucher durch ein manuelles Nadelabgleichsystem visualisiert. Der Fotograf muss hierfür die Nadel des Belichtungsmessers durch das Verändern der Verschlusszeit oder der Blende zwischen zwei festen Markierungen ausrichten.
Die Kamera selbst bietet keine automatischen Belichtungsprogramme, sondern assistiert dem Anwender bei der manuellen Konfiguration. Dieser Prozess kann nach dem Prinzip der Zeitvorwahl oder der Blendenvorwahl erfolgen.
Bei Anwendung der Zeitvorwahl legt der Fotograf zunächst eine feste Verschlusszeit am Einstellrad fest und justiert anschließend den Blendenring am Objektiv, bis die Nadel im Sucher zentriert ist. Diese Methode eignet sich besonders für Motive in schneller Bewegung, um Bewegungsunschärfe gezielt zu steuern. Im Gegensatz dazu wird bei der Blendenvorwahl zuerst der Blendenwert am Objektiv gewählt, um die Schärfentiefe zu gestalten, und danach die passende Verschlusszeit am Rad eingestellt, bis die Nadelanzeige die korrekte Belichtung signalisiert.
Das Spektrum der wählbaren Verschlusszeiten erstreckt sich von einer Sekunde bis zu einer 1/1000 Sekunde, ergänzt durch eine “B”-Einstellung für Langzeitbelichtungen, bei der der Verschluss für die Dauer des Niederdrückens des Auslösers geöffnet bleibt. Die Einstellung der Zeiten erfolgt über das Verschlusszeitenrad, das direkt neben dem Auslöser platziert ist. Ein Einstellen von Zwischenwerten ist nicht vorgesehen, da das Rad an den markierten Positionen einrastet. Der Verschluss ist ein mechanischer Copal FM-582 Metallschlitzverschluss, der vertikal abläuft.
Die Blendenwerte werden direkt am Blendenring des Objektivs eingestellt. Dieser rastet in der Regel bei vollen Blendenstufen ein, ermöglicht jedoch für eine feinere Justierung der Belichtung auch die Positionierung auf halbe Werte, indem die Indexmarke mittig zwischen zwei Markierungen platziert wird.
Die Aktivierung des Belichtungsmessers erfolgt durch das leichte Herausziehen des Filmtransporthebels in eine Bereitschaftsposition. Wenn der Hebel vollständig am Gehäuse anliegt, ist der Belichtungsmesser deaktiviert und der Auslöser mechanisch gesperrt. Eine Bewegung der Nadel im Sucher nach oben in den “+”-Bereich signalisiert eine Überbelichtung und erfordert die Wahl einer kleineren Blende oder einer kürzeren Verschlusszeit. Fällt die Nadel in den “-“-Bereich, deutet dies auf eine Unterbelichtung hin, was eine größere Blende oder eine längere Verschlusszeit notwendig macht. Der Messbereich des Systems deckt einen Bereich von EV 3 bis EV 18 ab, bezogen auf ASA 100 und eine Blende von f/1.4.
Blitzsystem
Zur Fotografie mit Blitzlicht ist die Vivitar XV-10 mit einer X-Synchronisation ausgestattet. Auf dem Pentaprismagehäuse befindet sich ein Zubehörschuh mit einem integrierten X-Mittenkontakt (Hot Shoe), der die kabellose Verwendung von Blitzgeräten erlaubt. Zusätzlich steht eine PC-Synchronbuchse für den Anschluss von Blitzgeräten mittels Kabel zur Verfügung.
Die Blitzsynchronisationszeit ist auf 1/125 Sekunde festgelegt, ein Wert, der auf dem Verschlusszeitenrad häufig farblich markiert ist, wobei auch jede längere Verschlusszeit verwendet werden kann. Kürzere Belichtungszeiten als die Synchronzeit sind mit elektronischen Blitzgeräten nicht kompatibel. Die Kamera verfügt über keine automatischen Blitzmodi wie eine TTL-Blitzmessung; die korrekte Belichtung muss bei Blitzaufnahmen manuell über die Blende am Objektiv eingestellt werden, basierend auf den Herstellerangaben des Blitzgerätes wie Leitzahl und Entfernung oder mittels eines externen Blitzbelichtungsmessers.
Zusätzliche Funktionen
Über die grundlegenden fotografischen Funktionen hinaus bietet die Vivitar XV-10 einige weitere nützliche Ausstattungsmerkmale. Ein mechanischer Selbstauslöser ist vorhanden, der durch das Herunterklappen eines Hebels an der Kameravorderseite gespannt wird. Dieser ermöglicht eine Auslöseverzögerung von ungefähr 10 Sekunden, sodass der Fotograf sich selbst im Bild positionieren kann. Nach dem Auslösen des Verschlusses bewegt sich der Hebel selbstständig in seine Ausgangslage zurück.
Die Kamera besitzt an ihrer Unterseite ein standardisiertes 1/4-Zoll-Stativgewinde, das auf der optischen Achse positioniert ist und eine stabile Befestigung auf einem Stativ gewährleistet. Dies ist besonders bei Langzeitbelichtungen, Aufnahmen mit Selbstauslöser oder beim Einsatz von langen Teleobjektiven von Bedeutung.
Auf der Rückseite der Kamera ist ein Memohalter angebracht, in den die Abrisslasche der Filmverpackung geschoben werden kann, um eine Gedächtnisstütze für den eingelegten Filmtyp und dessen Empfindlichkeit zu haben. Direkt daneben findet sich eine aufgedruckte DIN/ASA-Umrechnungstabelle.
Der Filmtransporthebel hat eine Mehrfachfunktion: Er dient nicht nur dem Weitertransport des Films und dem Spannen des Verschlusses, sondern agiert auch als Auslösesperre sowie als Schalter zum Aktivieren und Deaktivieren des Belichtungsmessers. Eine eingebaute Sperre verhindert zuverlässig unbeabsichtigte Doppelbelichtungen desselben Bildfeldes. Das Bildzählwerk zählt von der Startposition “S” bis 36 vorwärts und stellt sich automatisch auf “S” zurück, sobald die Kamerarückwand geöffnet wird. Zur besseren Übersicht sind die Markierungen für 12, 20, 24 und 36 Aufnahmen rot hervorgehoben. Eine Filmebenen-Markierung auf der Oberseite des Gehäuses zeigt die exakte Position der Filmebene an, ein Detail, das insbesondere bei Nahaufnahmen von Relevanz ist.
Abmessungen und Gewicht
Die Gehäuseabmessungen der Kamera ohne angesetztes Objektiv betragen in der Breite 135 mm, in der Höhe 85 mm und in der Tiefe 48 mm, was 5,32 x 3,40 x 1,92 Zoll entspricht. Das Gewicht des Kameragehäuses allein, ohne Objektiv und Batterie, beläuft sich auf etwa 450 Gramm.
Stromversorgung
Die Vivitar XV-10 ist eine primär mechanisch operierende Kamera. Sowohl der Verschluss als auch der Filmtransport und alle weiteren Basisfunktionen benötigen keine elektrische Energie. Ausschließlich das TTL-Belichtungsmesssystem erfordert eine Stromquelle für seinen Betrieb. Diese wird von einer einzelnen 1,35 Volt Quecksilberbatterie geliefert, wobei kompatible Typen wie Mallory PX-675, Eveready EPX 675, Ray-O-Vac RPX-675 oder äquivalente japanische Modelle wie HS-C/H-C verwendet werden können.
Filmempfehlungen
Die Vivitar XV-10 verwendet Kleinbildfilme (Amazon*) und belichtet das Material im Standardformat von 24 mm x 36 mm. Filme für dieses Format werden noch hergestellt und können auch noch ohne entwickelt werden. Es besteht die Möglichkeit, sowohl Farbnegativfilme, Farbdiafilme als auch Schwarzweißfilme zu verwenden.
Eine automatische Erkennung des DX-Codes von Filmpatronen ist nicht vorhanden, weshalb die Filmempfindlichkeit manuell am dafür vorgesehenen Einstellrad justiert werden muss. Der einstellbare Bereich für die Filmempfindlichkeit reicht von ASA 25 bis ASA 1600 in Drittelstufen, was einem Bereich von etwa DIN 15 bis 33 entspricht.
Kurzanleitung zur Bedienung
- Batterie einlegen: Schrauben Sie den Batteriefachdeckel an der Unterseite auf. Legen Sie eine passende 1,35V Batterie mit dem Pluspol (+) nach unten ein und schließen Sie das Fach. Dieser Schritt ist optional und nur für die Funktion des Belichtungsmessers notwendig.
- Filmempfindlichkeit einstellen: Drehen Sie das Filmempfindlichkeits-Einstellrad, bis der ASA-Wert des eingelegten Films gegenüber der Indexmarke steht.
- Film einlegen: Klappen Sie die Rückspulkurbel aus und ziehen Sie den Rückspulknopf nach oben, bis die Kamerarückwand aufspringt. Legen Sie die Filmpatrone in die Filmpatronenkammer ein und drücken Sie den Rückspulknopf wieder herunter. Ziehen Sie den Filmanfang über die Verschlusslamellen und stecken Sie ihn in einen Schlitz der Aufwickelspule. Betätigen Sie den Filmtransporthebel einmal, um sicherzustellen, dass die Perforation erfasst wird. Schließen Sie die Rückwand und machen Sie Leerschüsse, bis der Bildzähler auf “1” steht.
- Belichtung einstellen: Wählen Sie entweder zuerst die Verschlusszeit oder die Blende. Ziehen Sie den Filmtransporthebel leicht heraus, um den Belichtungsmesser zu aktivieren.
- Messen und Abgleichen: Blicken Sie durch den Sucher und passen Sie die jeweils andere Einstellung (Blende oder Verschlusszeit) an, bis die Nadel im Anzeigefeld zentriert ist.
- Fokussieren: Drehen Sie den Entfernungs-Einstellring am Objektiv, bis das Motiv im Mikroprismenkreis oder auf dem Mattscheibenring scharf erscheint.
- Auslösen: Drücken Sie den Auslöser sanft durch, um ein Foto aufzunehmen.
- Film transportieren: Schwingen Sie den Filmtransporthebel bis zum Anschlag nach rechts, um den Film zum nächsten Bild vorzuspulen und den Verschluss zu spannen.
- Film zurückspulen: Wenn der Film voll ist, drücken Sie den Rückspulentsperrknopf an der Kameraunterseite. Klappen Sie die Filmrückspulkurbel aus und drehen Sie sie in Pfeilrichtung, bis kein Widerstand mehr spürbar ist. Öffnen Sie die Rückwand und entnehmen Sie die Filmpatrone.