Als Fotograf, der sich der analogen Welt verschrieben hat, pflege ich eine besondere Beziehung zu meiner Ausrüstung. Jedes Teil wird sorgfältig ausgewählt, muss sich im Feld bewähren und zu meiner Arbeitsweise passen, die oft langsam und bedacht ist.
Eines der Ausrüstungsgegenstände, mit denen ich jedoch immer wieder auf Kriegsfuß stand, ist das Stativ. Zu oft habe ich mich mit wackeligen, unhandlichen und schlecht durchdachten Modellen herumgeärgert, die mehr eine Last als eine Hilfe waren.
In der Regel blieb das Stativ daher meistens zu Hause, und ich verließ mich lieber auf eine ruhige Hand und lichtstarke Objektive. Doch die Fotografie zwingt einen immer wieder in Situationen, in denen eine stabile Basis unerlässlich ist – sei es für die präzise Komposition einer Landschaftsaufnahme im letzten Licht des Tages oder für eine Langzeitbelichtung, die das Fließen von Wasser oder Wolken einfangen soll.
So stand ich immer wieder vor dem gleichen Dilemma. Als ich vom HEIPI 3-in-1 Travel Tripod hörte, war meine Neugier geweckt, wenn auch von einer gesunden Skepsis begleitet. Ein Stativ, das nicht nur stabil und leicht sein, sondern auch drei Funktionen in einem kompakten Design vereinen soll?
Kann dieses durchdachte Konzept eines relativ neuen Herstellers tatsächlich einen eingefleischten Stativ-Muffel wie mich überzeugen und meine Meinung grundlegend ändern?
Hintergrund zur Marke HEIPI
HEIPI ist eine Marke, die in der etablierten Welt der Fotografie-Ausrüster noch als relativ jung gilt. Das Unternehmen hat sich durch Crowdfunding-Kampagnen einen Namen gemacht und damit bewiesen, dass es ein Gespür für die Bedürfnisse moderner Fotografen hat. Statt auf inkrementelle Verbesserungen bestehender Konzepte zu setzen, scheint HEIPI den Anspruch zu haben, Produkte von Grund auf neu zu denken.
Mit dem hier besprochenen W28S-Modell liegt bereits die zweite, aktualisierte Version des ursprünglichen Stativs vor. Das Unternehmen hat hier gezielt auf Kundenfeedback reagiert und das Design in wichtigen Details verbessert, was für die Ambitionen der Marke spricht. Es positioniert sich als eine Premium-Option für Fotografen, die extreme Kompaktheit wünschen, ohne bei Zuverlässigkeit und Qualität Kompromisse eingehen zu wollen.
Größe und Verarbeitung
Der erste Eindruck eines Produkts beginnt oft schon bei der Verpackung, und hier zeigt HEIPI eine bemerkenswerte Liebe zum Detail. Das Stativ wird in einer eleganten und funktionalen Tasche geliefert.
Schon beim ersten Anfassen merkt man, dass hier mitgedacht wurde. Die Tasche ist aus einem wasserabweisenden Material gefertigt, was auf Reisen ein beruhigendes Gefühl gibt. Sie lässt sich bequem mit einem Umhängegurt transportieren, der bei Bedarf auch einfach entfernt werden kann. Zusätzlich ist ein gut geformter Griff angebracht, der sich angenehm greifen lässt und den Transport in der Hand erleichtert.
Ein weiteres durchdachtes Detail ist der kleine Karabiner an der Tasche. Dieser ermöglicht es, die Tasche während der Nutzung einfach an das Stativ zu hängen, sodass sie nicht im Schmutz liegen muss.
Im Inneren der Tasche befindet sich eine kleine Innentasche, die für die mitgelieferten Inbusschlüssel vorgesehen ist. Dieser Platz eignet sich aber auch hervorragend, um einen kleinen Smart Tracker wie einen Apple AirTag zu verstauen – eine clevere Vorkehrung gegen Verlust.
Nimmt man das Stativ selbst in die Hand, bestätigt sich der hochwertige Eindruck. Mit einem Gewicht von rund 1,38 kg und einem Packmaß von 45 cm ist es für ein Karbonstativ dieser Stabilitätsklasse angenehm leicht und kompakt. Es passt problemlos an die Seite eines Fotorucksacks oder sogar in größeres Reisegepäck.
Die Karbonfaser-Beine fühlen sich solide und wertig an, nichts knarzt oder wirkt billig. Die Beinsegmente haben Rohrdurchmesser von 26 mm bis hinunter zu 14 mm im kleinsten Segment, was trotz der fünf Auszüge für eine beeindruckende Solidität sorgt.
Alle Verschlüsse und beweglichen Teile sind präzise gefertigt und vermitteln ein Gefühl von Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. HEIPI scheint verstanden zu haben, dass sich Vertrauen in ein Stativ vor allem durch eine makellose Verarbeitung aufbaut.
Begleitet wird das Produkt von einer detaillierten, bebilderten Anleitung in Papierform, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zusätzlich erklärt der Hersteller auf seiner Website alle Funktionen ausführlich in Videoform, sodass keine Fragen offenbleiben.
Funktionen
Der Name “3-in-1″ ist bei diesem Stativ nicht nur ein Marketing-Schlagwort, sondern beschreibt den Kern des Konzepts. Es besteht aus dem Hauptstativ, einem herausnehmbaren Ministativ, das gleichzeitig als Mittelsäule dient, und einem vollwertigen Kugelkopf. Diese Modularität macht das Stativ extrem vielseitig.
Das Stativ ist wirklich vollgepackt mit durchdachten Funktionen, die den fotografischen Alltag erleichtern sollen. An den Beinen des Ministativs befinden sich sogar 1/4”-20 Gewinde, die sich hervorragend eignen, um Zubehör wie Magic Arms anzubringen.
Stativ
Das Hauptstativ bildet die Basis des Systems. Die Beine bestehen aus fünf Segmenten, die mit überarbeiteten Klemmenverschlüssen arretiert werden. Diese “Flip-Locks” sind nun griffiger, komfortabler zu bedienen und lassen sich schnell öffnen und schließen. Einmal eingerastet, gibt es kein Wackeln; es fühlt sich stabil und zuverlässig an, ein Gefühl, das man bei anderen bekannten Reisestativen durchaus vermissen kann. Die Verschlüsse können nun zudem für die Reinigung demontiert werden.
An der Unterseite der Mittelsäule befindet sich eine Schlaufe mit einem Karabiner. Dieser kann genutzt werden, um ein Gewicht, beispielsweise den Fotorucksack, zur zusätzlichen Stabilisierung anzuhängen.
Eine weitere clevere Funktion sind die in den Gummifüßen versteckten Spikes. Man schraubt den Gummifuß ab, dreht den darin verborgenen Spike um und schraubt ihn wieder fest. Diese Spikes sind beim neuen Modell auf 30mm verlängert worden und bieten auf weichem Untergrund wie Sand oder Eis zusätzlichen Halt.
Die Lösung ist praktisch, da man die Spikes so immer dabeihat. Allerdings ist der Wechsel etwas umständlich. Wer häufig zwischen Gummifüßen und Spikes wechseln muss, könnte diesen Prozess als nicht optimal empfinden.
Das Stativ kann laut HEIPI mit bis zu 20 Kilogramm belastet werden. Also ist eine Nutzung einer schweren Mittelformatkamera auch kein Problem.
Stativkopf
Der Kugelkopf ist oft die Schwachstelle bei Reisestativen, doch HEIPI geht hier einen anderen Weg. Der W28S wird mit einem großen, robusten Kugelkopf geliefert, was in diesem Segment selten ist. Er fühlt sich solide an und hebt sich deutlich von kleinen, billig wirkenden Kugelköpfen ab.
Mit einem Kugeldurchmesser von 50 mm und einem Gewicht von nur 290 Gramm ist er erstaunlich leistungsfähig. Er hält meine analoge Spiegelreflexkamera mit einem mittelschweren Objektiv ohne jegliches Nachgeben fest.
Die Arretierung erfolgt über einen großen Hebel, der eine sichere Fixierung gewährleistet. Allerdings befindet sich dieser Hebel auf der rechten Seite, was für Fotografen, die es gewohnt sind, das Stativ mit der linken Hand zu bedienen und die Kamera mit der rechten, eine Umstellung erfordert.
Die Platte ist Arca-Swiss-kompatibel, was die Verwendung von L-Winkeln oder Platten anderer Hersteller problemlos möglich macht.
Auf der Oberseite des Kugelkopfs findet sich eine kleine Wasserwaage. Zusätzlich findet sich auch eine am Hauptstativ.
Ein besonderes Merkmal ist die integrierte Panoramarotation mit einem zuschaltbaren Klick-Mechanismus, der alle 10 Grad einrastet und so präzise Panoramen erleichtert. Zum Ein- und Ausschalten dieser Funktion wird allerdings ein Inbusschlüssel benötigt.
Eine wirklich bemerkenswerte Innovation ist die im Stativkopf versteckte Halterung für ein Smartphone. Sie lässt sich einfach ausziehen und ist sofort einsatzbereit. Man braucht also kein zusätzliches Zubehör mitzunehmen, eine genial einfache und praktische Lösung für den gelegentlichen Gebrauch.
Ministativ
Das Herzstück der Vielseitigkeit ist das herausnehmbare Ministativ, von HEIPI “Sub Tripod” genannt. Es fungiert als Mittelsäule des Hauptstativs, kann aber mit wenigen Handgriffen entnommen und als eigenständiges Tisch- oder Bodenstativ verwendet werden.
Die Drei-Säulen-Konstruktion macht die Mittelsäule im ausgefahrenen Zustand wesentlich stabiler als herkömmliche Einzelsäulen. Wenn das Stativ versehentlich angestoßen wird, beruhigt es sich zudem in erstaunlich kurzer Zeit wieder vollständig.
Das Ministativ ist ideal für Aufnahmen aus Bodennähe, ohne das Hauptstativ komplett umbauen zu müssen. Besonders nützlich ist das kleine Stativ an Orten, an denen die Verwendung großer Stative nicht erlaubt oder nicht gerne gesehen ist, wie in manchen Städten oder Museen. Mit dem Ministativ kann man unauffällig und stabil arbeiten.
Aber die Einsatzmöglichkeiten gehen noch weiter: Man kann es auch verwenden, um einen externen Blitz oder ein Mikrofon zu positionieren. Wer noch leichter reisen möchte, kann das Ministativ auch ganz zu Hause lassen und den Kugelkopf direkt auf dem Hauptstativ montieren, was das Gewicht um 200 Gramm reduziert.
Fazit
Nach intensiver Nutzung des HEIPI 3-in-1 Travel Tripods muss ich meine Meinung zu Stativen überdenken. Das Stativ hat es geschafft, meine jahrelange Skepsis nicht nur zu erschüttern, sondern sie in echte Anerkennung zu verwandeln. Es ist eines der innovativsten Stative auf dem Markt.
Die Kombination aus durchdachtem Design, hochwertiger Verarbeitung und einer Funktionsvielfalt, die ihresgleichen sucht, ist beeindruckend. Von der cleveren Tasche über das stabile Hauptstativ bis hin zum genialen Ministativ ist dieses Produkt von vorne bis hinten durchdacht. Die Stabilität ist für ein Reisestativ dieser Größe und dieses Gewichts herausragend.
Kritikpunkte gibt es wenige und sie sind sehr subjektiv. Die Position des Feststellhebels am Kugelkopf auf der rechten Seite ist gewöhnungsbedürftig, und dass man ihn zum Arretieren nach oben statt nach unten bewegt, widerspricht der Intuition. Auch wäre es wünschenswert, den Panorama-Klick ohne Werkzeug ein- und ausschalten zu können. Doch diese Punkte verblassen angesichts der überwältigenden Vorteile.
Um also die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Ja, das HEIPI W28S hat meine Meinung über Stative geändert. Es hat mir gezeigt, dass ein Stativ nicht nur eine notwendige Last sein muss, sondern ein kreatives Werkzeug sein kann, das Freude bereitet und neue fotografische Möglichkeiten eröffnet. Es ist ein verlässlicher Partner, den ich nun gerne mitnehme.
HEIPI W28S 3-in-1 Reisestativ kaufen
Kaufen kann man das HEIPI Reisestativ im Online-Shop von HEIPI. Aber auch Amazon hat das Stativ im Angebot.






























Es ist erfrischend zu sehen, dass es noch Unternehmen wie HEIPI gibt, die nicht nur inkrementelle Verbesserungen liefern, sondern Produkte von Grund auf neu denken und dabei auf Kundenfeedback hören. Das zeigt sich hier in jedem Detail, von der durchdachten Tasche bis zu den verbesserten Verschlüssen. Eine solche Herangehensweise ist bewundernswert und schafft Vertrauen in die Marke. Qualität und Innovation gehen hier Hand in Hand, das gefällt mir sehr.
Sehr kompakter Bericht für ein so umfangreiches Stativ. Das geringe Gewicht und Packmaß in Kombination mit der hohen Stabilität sind für mich als Vielreisender entscheidend. Die Möglichkeit, das Ministativ als eigenständiges Stativ zu nutzen, ist ein echter Game-Changer für die unauffällige Street-Fotografie oder im Museum. Definitiv eine Überlegung wert!
Ich kenne das nur zu gut! Jahrelang habe ich Stative gehasst und sie meistens zu Hause gelassen. Aber wenn ein eingefleischter Stativ-Muffel wie der Autor hier überzeugt wird, dann muss das Teil ja wirklich was können. Die Idee mit dem Ministativ als Mittelsäule finde ich grandios – das spart Platz und bietet so viel Flexibilität. Für alle, die wie ich lange nach dem ‘richtigen’ Stativ gesucht haben, scheint das HEIPI W28S eine echte Empfehlung zu sein.
Ein sehr ausführlicher und ehrlicher Testbericht! Die Verarbeitung und die Stabilität scheinen ja wirklich top zu sein. Mich würde noch interessieren, wie sich der Kugelkopf-Hebel auf Dauer anfühlt, da er ja ungewohnt platziert ist. Gewöhnt man sich schnell an die rechte Seite und das Arretieren nach oben, oder bleibt das immer ein kleiner Störfaktor im Workflow? Die Spikes, die man umschrauben muss, klingen auch etwas umständlich für häufigen Wechsel. Ansonsten aber super durchdacht!
Wow, dieser Bericht hat mich wirklich gepackt! Als jemand, der auch oft mit Stativen hadert, klingt das HEIPI W28S absolut vielversprechend. Besonders die 3-in-1-Funktionalität und der versteckte Smartphone-Halter sind geniale Ideen. Endlich ein Hersteller, der wirklich mitdenkt! Das könnte wirklich das Stativ sein, das man tatsächlich gerne mitnimmt. Ich muss mir das definitiv genauer ansehen!