Es gibt bestimmte Ausrüstungsgegenstände in der Fotografie, die sich über Jahre hinweg bewähren und trotz neuerer Entwicklungen dauerhaft in der Fototasche verbleiben. Das Fujifilm XF 35mm f/2 R WR gehört zu genau dieser Kategorie von Objektiven, die ich seit langer Zeit sehr regelmäßig und für unterschiedliche Zwecke einsetze. Im Folgenden soll detailliert beleuchtet werden, warum diese Festbrennweite auch heute noch eine praxistaugliche Wahl für den fotografischen Alltag darstellt.
Die Geschichte der Festbrennweite
Als Fujifilm im Jahr 2012 das spiegellose X-System einführte, gehörte das XF 35mm f/1.4 R zu den ersten drei Objektiven des neuen Portfolios. Jene Linse erlangte schnellen Ruhm für ihre charakteristische Bildwirkung, war jedoch im Hinblick auf den Autofokus und die Gehäusekonstruktion ein Produkt der ersten Generation. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Kamerasensoren und dem Wunsch der Anwender nach kompakteren, robusteren Alternativen präsentierte der Hersteller im Herbst des Jahres 2015 das XF 35mm f/2 R WR.

Es war der Auftakt einer neuen Serie von Festbrennweiten mit einer Lichtstärke von f/2, die sich durch ein schlankes Gehäusedesign, einen schnellen Schrittmotor und einen umfassenden Wetterschutz auszeichneten. Das Objektiv etablierte sich rasch als Standardwerkzeug für Reportagen, Reiseberichte und die klassische Straßenfotografie, da es den Spagat zwischen unauffälliger Handhabung und solider optischer Leistung bewältigte. Bis heute hat dieses Modell nichts von seiner Relevanz verloren, da es eine klassische Brennweite mit modernen mechanischen Vorzügen verbindet.
Technische Spezifikationen des Objektiv
Fangen wir erstmal mit einem kurzen Überblick zum Fujifilm XF 35mm f/2 R WR an. Das optische System dieser Festbrennweite besteht aus neun Linsenelementen, die in sechs Gruppen angeordnet sind. Unter diesen Elementen befinden sich zwei asphärische Linsen, die dazu beitragen, Abbildungsfehler wie sphärische Aberrationen und Verzeichnungen zu reduzieren.
Die Brennweite von 35 Millimetern entspricht an dem APS-C-Sensor der Fujifilm-Kameras einem Kleinbild-Äquivalent von ungefähr 53 Millimetern. Dies entspricht fast genau der klassischen Normalbrennweite, die dem menschlichen Sehfeld nachempfunden ist und eine sehr natürliche Perspektive ohne Weitwinkel- oder Tele-Verzerrungen bietet.
Die Lichtstärke reicht von einer maximalen Offenblende von f/2 bis zu einer minimalen Blende von f/16. Die Regulierung der Blendenöffnung erfolgt wahlweise über die Kamera oder direkt am Objektiv über den physischen Blendenring, der in Drittelstufen einrastet und eine zusätzliche Automatikstellung besitzt.
Im Inneren des Objektivs sorgen neun abgerundete Blendenlamellen für eine gleichmäßige Öffnung, was sich positiv auf die Darstellung von Unschärfebereichen auswirkt. Die Naheinstellgrenze liegt bei 35 Zentimetern, was für die meisten alltäglichen Situationen ausreichend ist und auch Detailaufnahmen im Nahbereich ermöglicht.
Das Gehäuse zeichnet sich durch eine sehr kompakte Bauweise aus. Es hat einen maximalen Durchmesser von 60 Millimetern und eine Gesamtlänge von lediglich 45,9 Millimetern.
Das Filtergewinde ist mit einem Durchmesser von 43 Millimetern vergleichsweise klein, was die Anschaffung von Filtern erleichtert und die gesamte Konstruktion unauffällig hält. Das Gewicht beträgt nur etwa 170 Gramm, wodurch die Linse auch bei langen Fußmärschen nicht zur Last fällt.

Ein wesentliches Merkmal, das bereits im Namen verankert ist, stellt die Wetterbeständigkeit dar. Das Objektiv ist an insgesamt acht Stellen gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet und bleibt selbst bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad Celsius einsatzbereit.
Der Autofokus basiert auf einer Innenfokussierung, die von einem schnellen Schrittmotor angetrieben wird, wodurch sich die äußere Linse beim Scharfstellen nicht verschiebt.
Nutzung im Alltag
In der täglichen Praxis zeigt das Fujifilm XF 35mm f/2 R WR seine eigentlichen Qualitäten, insbesondere wenn man es mit einem kompakten Kameragehäuse wie der Fujifilm X-T20 kombiniert. Die Beispielbilder für diesen Bericht wurden mit genau diesem Setup aufgenommen, und die Ergebnisse verdeutlichen das ausgewogene Zusammenspiel von Sensor und Optik.
Das geringe Gewicht und die dezenten Abmessungen machen diese Kombination zu einem Werkzeug, das man problemlos den gesamten Tag über tragen kann, ohne eine Ermüdung zu spüren. Gerade in belebten städtischen Umgebungen, wie man sie in Amsterdam oder auf geschäftigen Wochenmärkten vorfindet, schätzt man die Unauffälligkeit dieses Objektivs. Es zieht im Vergleich zu großen Zoomlinsen kaum Aufmerksamkeit auf sich, was für authentische Aufnahmen von großem Nutzen ist.


Der Autofokus arbeitet in Kombination mit der X-T20 sehr schnell und leise. Im Vergleich zum älteren XF 35mm F1.4 reagiert der Schrittmotor des f/2-Modells zügig und präzise. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn sich Personen oder Fahrzeuge durch das Bild bewegen und man den Bruchteil einer Sekunde nutzen muss, um den Fokuspunkt exakt zu setzen. Selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen am Abend oder in schattigen Gassen bleibt die Fokussierung verlässlich und neigt kaum zum Suchen des Fokuspunktes.

Die Schärfeleistung des Objektivs ist bereits bei der Offenblende von f/2 im Bildzentrum als sehr gut zu bezeichnen. Details an Fassaden, die Strukturen von Kleidung oder die feinen Linien auf den Oberflächen von Früchten an einem Marktstand werden klar und detailreich wiedergegeben.
Wenn man das Objektiv auf f/2.8 oder F4 abblendet, legt die Schärfe auch in den Bildecken zu, sodass sich die Linse gut für Landschaftsaufnahmen oder Architekturfotografie eignet. Die Farbwiedergabe ist typisch für die Fujinon-Objektive ausgewogen und harmonisiert mit den integrierten Filmsimulationen der Fujifilm-Kameras. Kontraste werden natürlich dargestellt, ohne dass die Schatten unnatürlich zulaufen oder die Lichter ausfressen.
Ein wichtiger Aspekt bei einer Festbrennweite mit einer Lichtstärke von f/2 ist die Gestaltung des Unschärfebereichs, das sogenannte Bokeh. Durch die neun abgerundeten Blendenlamellen werden unscharfe Lichtquellen im Hintergrund als weiche, kreisrunde Scheiben abgebildet.
Obwohl ein F1.4-Objektiv prinzipiell eine noch stärkere Freistellung ermöglicht, reicht die Lichtstärke von f/2 beim 35-Millimeter-Objektiv in vielen Fällen aus, um ein Motiv vom Hintergrund zu trennen. Das Bokeh wirkt ruhig, organisch und lenkt nicht vom eigentlichen Hauptmotiv ab. Dies zeigt sich besonders bei Detailaufnahmen von Pflanzen, herbstlichen Blättern oder bei Porträts, bei denen der Hintergrund in eine angenehme Unschärfe verfließt.
Die mechanische Verarbeitung des Gehäuses ist auf einem sehr soliden Niveau. Das Gehäuse besteht fast vollständig aus Metall, was dem Objektiv eine angenehme Haptik verleiht, die an klassische, analoge Objektive erinnert.
Der Blendenring rastet mit einem präzisen Klicken ein. Er ist weder zu leichtgängig, sodass man ihn versehentlich verstellen würde, noch zu schwergängig. Auch der Fokusring für die manuelle Scharfstellung läuft geschmeidig und bietet einen guten Widerstand.

Das Fujifilm XC 35mm f/2 als günstige Alternative
Im Jahr 2020 erweiterte Fujifilm das Sortiment um das XC 35mm f/2, das für viele Einsteiger eine interessante Alternative darstellt. Aus optischer Sicht gibt es zwischen dem XF 35mm f/2 R WR und dem XC 35mm f/2 keinen Unterschied.
Beide Objektive nutzen den identischen optischen Aufbau mit neun Elementen in sechs Gruppen und zwei asphärischen Linsen. Das bedeutet, dass die Bildqualität, die Schärfe, das Bokeh und auch die Autofokusgeschwindigkeit der beiden Linsen vergleichbar sind. Die Unterschiede liegen ausschließlich in der äußeren Konstruktion und den verwendeten Materialien.
Das XC 35mm f/2 verzichtet auf ein Metallgehäuse und wird stattdessen aus Kunststoff gefertigt. Sogar das Bajonett, das beim XF-Modell aus solidem Metall besteht, ist beim XC-Modell aus Kunststoff hergestellt. Dies macht das XC-Objektiv mit einem Gewicht von nur 130 Gramm noch ein Stück leichter, mindert jedoch das haptische Erlebnis, das man von den XF-Linsen gewohnt ist.
Ein weiterer Unterschied ist der Verzicht auf einen physischen Blendenring beim XC-Modell. Die Blende muss hier zwingend über eines der Einstellräder am Kameragehäuse reguliert werden. Für Fotografen, die das klassische Bedienkonzept von Fujifilm mit analogen Einstellrädern schätzen, ist dies ein Einschnitt in den Arbeitsfluss.
Zudem bietet die XC-Variante keinen Wetterschutz und ist nicht gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Wer also häufig bei schlechtem Wetter fotografiert oder ein robustes Arbeitstier für den Alltag sucht, wird mit dem XF-Modell glücklicher sein.
Der Vorteil des XC 35mm f/2 liegt im Preis. Es ist in der Regel für einen deutlich geringeren Betrag als die XF-Variante erhältlich und bietet somit ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für alle, die eine günstige, leichte Festbrennweite suchen und auf den Blendenring sowie den Wetterschutz verzichten können.

Abschließendes Fazit
Das Fujifilm XF 35mm f/2 R WR bleibt auch Jahre nach seiner Markteinführung ein absolut empfehlenswertes Objektiv im Portfolio des Herstellers. Es besticht nicht durch extreme Lichtstärke, sondern durch seine Ausgewogenheit in allen Disziplinen.
Seine kompakten Abmessungen, das geringe Gewicht und der schnelle, leise Autofokus machen es zu einem passenden Begleiter für jeden Tag. Die optische Leistung überzeugt durch eine solide Schärfe bereits ab Offenblende und eine natürliche, plastische Bildwirkung.
Die Kombination mit einem Gehäuse wie der Fujifilm X-T20 zeigt, wie viel Potenzial in diesem kleinen System steckt. Wer ein unauffälliges, robustes und wetterfestes Standardobjektiv sucht, das sich nahtlos in das klassische Bedienkonzept von Fujifilm einfügt, macht mit dieser Festbrennweite wenig falsch. Es ist ein klassisches Werkzeug für Fotografen, die den bewussten Umgang mit einer festen Brennweite schätzen und eine verlässliche Optik für alle Lebenslagen suchen.
Tipps zum Kauf und zur Anschaffung
Das Fujifilm XF 35mm f/2 R WR ist im gut sortierten Fachhandel sowie auf Online-Plattformen wie Amazon regelmäßig neu erhältlich. Der Preis hat sich über die Jahre auf einem stabilen Niveau eingependelt, das im Verhältnis zur gebotenen Verarbeitungsqualität und optischen Leistung als angemessen zu bewerten ist.
Da es sich um ein weit verbreitetes Objektiv handelt, lohnt sich oft auch ein Blick auf den Gebrauchtmarkt. Viele Fotografen pflegen ihre Ausrüstung sorgfältig, sodass man das Objektiv auf etablierten Plattformen für gebrauchte Fotoausrüstung häufig in einem guten Zustand zu einem reduzierten Preis erwerben kann.
Unbearbeitete Beispielbilder
Die Beispielbilder wurden ebenfalls mit der Fujifilm X-T20 und dem XF 35mm aufgenommen. Bei der Aufnahme kam ein Blitz zum Einsatz. Sie wurden nicht bearbeitet.














































